Musikalische Früherziehung: 5 gute Gründe, warum Kinder mit Musik aufwachsen sollten

Arbeiten Sie in einem pädagogischen Bereich oder haben selbst Kinder?

Haben Sie dabei schon einmal ein Kind im Einfluss von Musik beobachtet?

Meiner Meinung nach gibt es kaum etwas schöneres! Es beginnt schon in kleinen Gesten: Das Kleinkind wippt im Takt eines Liedes, klatscht begeistert in die Hände oder summt eine Melodie nach, die es gerade aus dem CD-Player gehört hat.

Alles beginnt im Bauch der Mutter: Eine Studie des Kognitionsforschers Manuel Schabus von der Universität Salzburg ergab, dass schon in der Schwangerschaft Babys abgespielte Töne und Musik merken können. Anhand EEG-Messungen zwei bis fünf Wochen nach der Geburt ist erkennbar, dass die Gehirnwellen der Babys sich an die Schwingungen der Sprache anpassen und besonders intensiv sind, wenn die jeweilige Mutter die Melodie singt. Musik und dessen Erziehung durchdringt unser Leben von Anfang an.

Leider ist das Potenzial dieser Förderung in der Gesellschaft noch nicht ausreichend bekannt oder wird eher von Familien mit gehobenen Bildungsabschlüssen profitiert. Viele Eltern als auch Kindertagesstätten haben wenig Einblick und nutzen bereits vorhandene Angebote zu wenig.

Nachfolgend stellen wir Ihnen zehn wertvolle Gründe vor, warum es sich lohnt, ihr Kind von klein auf musikalisch zu fördern.

Musik und Sprache sind eng miteinander verbunden. Bereits beim Singen einfacher Kinderlieder erweitern Kinder ihren Wortschatz und lernen neue Begriffe ganz nebenbei kennen. Reime, Verse und rhythmische Sprachspiele helfen ihnen dabei, Sprachmuster zu erkennen und ein Gefühl für Strukturen zu entwickeln. Gleichzeitig schulen unterschiedliche Tonhöhen das Gehör für Betonungen.

Durch das gemeinsame Singen trainieren Kinder ihre Aussprache und lernen, ihren Körper bewusster wahrzunehmen. Diese sogenannte phonologische Bewusstheit gilt als wichtige Grundlage für das spätere Lesen- und Schreibenlernen. Musikalisch geförderte Kinder entwickeln daher häufig ein besseres Sprachverständnis und können sprachliche Zusammenhänge schneller erfassen.

Um ein neues Stück oder Lied zu lernen bedarf es eine Menge Aufmerksamkeit. Musizieren fordert Kinder auf einzigartige Weise heraus. Sie müssen zuhören, Rhythmen erkennen, Melodien verfolgen und gleichzeitig auf die Anweisungen der pädagogischen Lehrkraft oder die Aktionen anderer Kinder achten. Dabei lernen sie, ihre Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum nur auf eine Aufgabe zu richten.

Auch das Nachspielen von Rhythmen oder das gemeinsame Singen in einer Gruppe erfordert Geduld und Ausdauer. Kinder üben, auf ihren Einsatz zu warten, sich an Abfolgen zu erinnern und konzentriert bei einer Sache zu bleiben. Diese Fähigkeiten helfen ihnen später auch im Schulalltag, z.B. wenn sie dem Lehrpersonal zuhören, Neues lernen oder Hausaufgaben erledigen müssen.

In vielen verschiedenen Kulturen kann man erkennen, dass Musikmachen mit sozialer Gemeinschaft verbunden wird. In der musikalischen Früherziehung lernen Kinder, wie wichtig Teamgeist und das Aufeinanderachtgeben sind. Beim gemeinsamen Singen oder Musizieren kommt es darauf an, aufeinander zu hören und seinen persönlichen Teil für die Gruppe beizusteuern.

Ihr Kind lernt dabei, dass jeder wichtig für das Ganze ist (z.B. den Kinderchor) und dass ein harmonisches Miteinander nur gelingt, wenn alle das gleiche Ziel verfolgen. Am Ende freut es sich über sein Erfolgserlebnis und bsp. ihr Strahlen aus dem Zuschauerraum zu erkennen. Diese positiven Gruppenerlebnisse stärken die Empathie, Teamfähigkeit und das soziale Verantwortungsbewusstsein, welche im heranwachsenden Alter immer wichtiger werden.

Musik bietet Kindern die Möglichkeit, ihre Fantasie frei auszuleben und eigene Ideen einzubringen. Sie können Rhythmen erfinden, Bewegungen entwickeln oder Geschichten mit Klängen untermalen. Dabei gibt es oft kein „richtig“ oder „falsch“, sondern zahlreiche kreative Wege, sich auszudrücken.

Wenn Kinder erleben, dass ihre Ideen gehört und wertgeschätzt werden, stärkt das ihr Selbstbewusstsein. Erfolgserlebnisse – sei es beim Erlernen eines Liedes, beim gemeinsamen Auftritt oder beim Ausprobieren eines Instruments – fördern das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Kinder lernen, Herausforderungen anzunehmen, Neues auszuprobieren und stolz auf ihre eigenen Leistungen zu sein.

Ein besonderer Vorteil der musikalischen Früherziehung liegt darin, dass sie viele Bereiche der kindlichen Entwicklung gleichzeitig anspricht. Kinder lernen nicht nur durch Zuhören, sondern mit ihrem gesamten Körper. Sie bewegen sich zur Musik, klatschen Rhythmen, tanzen, singen und entdecken verschiedene Klänge mit allen Sinnen.

Durch diese Verbindung von Hören, Fühlen, Bewegen und Erleben werden unterschiedliche Wahrnehmungsbereiche gefördert. Gleichzeitig regt Musik die Fantasie an und schafft emotionale Erlebnisse, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Lernen wird dadurch lebendig und spielerisch.

Besonders deutlich zeigt sich dieser ganzheitliche Ansatz bei Klanggeschichten. So kann beispielsweise das Rascheln der Blätter im Wald mit Klanghölzern dargestellt werden, Regentropfen erklingen durch eine Triangel und ein lautes Gewitter wird mit Trommelschlägen nachgeahmt. Die Kinder hören nicht nur eine Geschichte, sondern gestalten sie aktiv mit. Auf diese Weise verbinden sich Musik, Bewegung, Sprache und Vorstellungskraft zu einem eindrucksvollen Lernerlebnis, das alle Sinne anspricht.

Abschließend möchte ich noch einige erfolgreiche Initiativen im Bereich der musikalischen Früherziehung nennen:

„Kinder zum Olymp“: eine Initiative der Kulturstiftung der Länder will Kooperationen mit Kultureinrichtungen und Künstlerpersönlichkeiten anregen und hat dabei hauptsächlich die Schule, aber auch den Kindergarten im Blick.

„Canto elementar“ ist ein Programm innerhalb des deutschlandweiten Netzwerks „Il canto del mondo“ und setzt auf ehrenamtliche Singpaten aus der Nachbarschaft der Einrichtungen.

Die Carusos“ : eine Auszeichnung, die der deutsche Chorverband an Tageseinrichtungen vergibt. Förderer der Initiative sind die „Accenture Stiftung“, die „Aventis Foundation“, die „Crespo Foundation“ und der „Kulturfonds Frankfurt RheinMain“.

„Toni singt“: Fortbildungen für Erzieher*innen bilden zusammen mit eigens entwickelten Materialien auch den Kern des Programms des ChorVerbands Nordrhein-Westfalen.

Wie man sehen kann, gibt es einige Möglichkeiten und es ist wichtig, dass Kinder in Berührung mit dem Singen oder der Musikalischen Ausübung kommen! Ob in in der Kita, im Rahmen von Eltern-Kind-Kursen, oder an Musikschulen – die Optionen sind vielfältig. Wichtig ist vor allem, dass Kinder Musik ohne Leistungsdruck erleben und ihre Freude daran entdecken können. Denn wer früh positive Erfahrungen mit Musik profitiert davon weit über die Kindheit hinaus.

Quellenverzeichnis

Werlé, H. (1949). Musik im Leben des Kindes. Dresden: L. Ehlermann.

Seifert, A. (2006). Musik ohne Noten: Musikalische Früherziehung. 2. Aufl. Dortmund: Verlag gruppenpädagogischer Literatur.

Rittersberger, A. (2005). Jedes Kind will musizieren: Musik macht Kinder intelligenter und selbstbewusster. Mainz: Schott Music.

Dartsch, M. (2008). Studie zu Wirkungen und Voraussetzungen der Musikalischen Früherziehung. Bonn: Verband deutscher Musikschulen (VdM).

Dartsch, M. (2019) Frühe musikalische Bildung. Kulturelle Bildung Online (kubi-online). Verfügbar unter: https://www.kubi-online.de/artikel/fruehe-musikalische-bildung (Zugriff: 06.08.2026).

https://science.orf.at/v2/stories/2814468

Abbildungen:

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