Insektenhotels vs. Totholz

Auf dem Bild ist das Logo von Nature Gardening Stories zu sehen. Es ist ein  Foto von einer Biene im Inneren einer Blaumohnblüte.

Warum Totholz mehr zum Erhalt der Biodiversität beiträgt als viele Insektenhotels

Liebe Nature Garden Community,

in meinem Naturgarten sehe ich es täglich: Insekten bilden das Fundament unserer Nahrungskette.  Sie reichern unsere Böden mit Nährstoffen an, bestäuben unsere Nutzpflanzen und bescheren uns so reichhaltige Ernten.

Doch die Lebensgrundlage von uns Menschen ist bedroht – „Insektensterben weltweit: Ein ökologisches Armageddon“ so hat es die Heinrich-Böll Stiftung im Jahr 2022 bezeichnet.

Als vermeintliche Antwort auf das Insektensterben finden sich mittlerweile in jedem Baumarktsortiment verschiedene Insektenhotels. Doch oft sind diese so gebaut, dass sie Insekten mehr schaden können, als ihnen zu nützen.

Deshalb geht es in diesem Blogbeitrag um:

  • die häufigsten Fehler bei Insektenhotels
  • wichtige Kriterien für die Auswahl oder den Bau eines Insektenhotels
  • meine Alternative zum Insektenhotel – Gärtnern für Faule
  • Totholz – das Insektenhotel der Natur

Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie unser Leben und das zukünftiger Generationen aussehen wird, wenn duch fortschreitenden Klimawandel und weitere Zerstörung ihrer Lebensräume Insekten von der Erde verschwunden sein werden. Vielen Menschen ist immer noch nicht klar, wie dramatisch die Lage tatsächlich ist: Kein Obst, keine Gemüse und kein Getreide konnte wachsen, ohne dass ein Insekt es bestäubt hat. Keine Bestäubung durch Insekten bedeutet keine Nahrung für uns Menschen.


Um dem Insektensterben entgegen zu wirken, installieren viele Gartenbesitzer*innen Insektenhotels in ihren Gärten. Mit der Auswahl passender Materialien und der richtigen Bauweise bieten Insektenhotels Wildbienen, Hummeln, Marienkäfern und CO. gute Möglichkeiten zu nisten und zu überwintern.

Auf dem Foto ist eine Wildbiene beim Einstieg in ein Insektenhotel zu sehen.

Das Anbringen eines Insektenhotels ist an sich eine gute Idee.

Doch leider ist gut gedacht nicht immer auch gut gemacht.

Insektenhotels versuchen auf kleinstem Raum den natürlichen Lebensraum von Käfern, Wildbienen und anderen Insekten nachzuahmen. Sie werden in unterschiedlichen Formen angeboten. Neben vollmontierten, installationsfähigen Angeboten oder Bausätzen aus dem Handel sind auch zahlreiche Do-It-Yourself-Bastelanleitungen im Internet zu finden.

Um aber für Insekten tatsächlich einen Lebensraum zu bieten, sollten bei der Auswahl und Installation eines Insektenhotels entscheidende Fehler vermieden und einige Kriterien bedacht werden.

Die häufigsten Fehler passieren direkt bei der Konstruktion des Hotels. Oft werden die falschen Bau- oder Füllmaterialien verwendet.

Insektenhotels die mit Stroh, Fichtenzapfen, Holzwolle oder Holzhäckseln gefüllt werden, sind als Versteck oder Kinderstube für Insekten weitgehend nutzlos. Auch farbenfrohe Anstriche sind wenig artgerecht und erfüllen eher dekorative Zwecke.

Weitere häufige Gründe, warum Insektenhotels nicht von Wildbienen oder anderen Insekten besetzt werden, passieren bei der Standortwahl.

Anhand der Checkliste könnt ihr überprüfen, ob eure Insektenhotels den Kriterien entsprechen:

  • Gut durchgetrocknetes Hartholz (Eiche, Esche, Buche, Obstholz)
  • Hohle Schilf- oder Bambusstängel o.Ä.
  • Spezielle gebrannte Tonziegel
  • Pappröhrchen
  • Bienensteine
  • Keine Füllstoffe wie Holzwolle oder Fichtenzapfen
  • Markstängel einzeln am Insektenhotel (Brombeere, Himbeere)
Auf der Abbildung sind unterschiedliche, geeignete Füllmaterialien für Insektenhotels zu sehen. Hartholz, Bienenstein, Schilf und hohle Stängel.
Dies sind geeignete Materialien für das Befüllen von Insektenhotels. Auf den Bildern ist gut zu sehen, dass viele der Röhren verschlossen sind. In diesen haben Wildbienen ihre Brut abgelegt (Bild © LBV)
  • Saubere, glatte Bohrungen ohne Splitter oder sonstige Verunreinigungen
  • Bohrungen immer in die Rindenseite
  • Hohle Bambusstängel intakt und sauber geschnitten
  • Länge jeweils 10-15 cm, hinten immer geschlossen; Durchmesser der Öffnung 2 – 9 mm
  • eventuell Vogelschutzgitter
Auf dem Bild ist eine Grafik zu sehen, die zeigt in welcher Richtung ins Holz gebohrt werden sollte, wenn dies als Insektenhotel Füllmaterial genutzt werden soll. Dabei wird gezeigt, dass immer in die Rindenseite des Holzes gebohrt werden sollte.
Beim Nutzen von Holzmaterial ist wichtig, dass immer in die Längstseite der Holzfasern gebohrt wird, also in die Rindenseite des Holzes. Querbohrungen neigen zur Rissbildung und somit zum Wassereindrang. (Bild © LBV)
  • An geschützter Stelle oder mit Dach gegen Nässe
  • Besonnter Platz (Ausrichtung Südost bis Südwest)
  • Fest anbringen, darf nicht im Wind schwingen

Auf dem Bild ist ein Insektenhotel abgebildet, dass den Kriterien für sinnvollen Insektenhotels entspricht. Das Hotel ist mit einem Bienenstein, Bambusrohren und einem Holzbalken gefüllt.
So sieht ein sinnvolles Insektenhotel aus: fest installiert, an einem witterungsgeschützten Platz mit einem Dach das Feuchtigkeit abhält. Gefüllt mit passenden Materialien und ohne Farbanstrich (Bild © LBV)
Auf dem Bild ist ein Insektenhotel abgebildet, dass nicht den Kriterien für sinnvolle Insektenhotels entspricht. Das Hotel ist mit bunt angemalten Holzstücken und groben Lochziegeln gefüllt.
So sieht ein sinnloses Insektenhotel aus: ungeignete Materialien, bunter Anstrich, falsche Bohrungen im Holz, zu kurzer Dachüberstand (Bild © Adobestock)

In meinem Garten summt, brummt und krabbelt es einfach überall und das ganz ohne Insektenhotel. Das einzige was ich dafür tue, ist keine Pflanzenmaterialien zu entsorgen.

Ich mähe meinen Blührasen nur ganz selten und lasse „Unkräuter“ und sich natürlich ansiedelnde Planzen wachsen. Denn wenn niemand mehr Brennnesseln im Garten wachsen lässt, finden z.B. die Schmetterlingsraupen vom kleinen Fuchs, dem Admiral oder dem Tagpfauenauge auch keine Nahrung.

Die ökologisch sinnvollste und einfachste Option ist, Insekten im Garten eine natürliche, artgerechte Umgebung zu bieten und somit gar kein Insektenhotel zu benötigen.


Die meisten Gartenbesitzer*innen wünschen sich Artenvielfalt in ihrem Garten, vernichten aber oft ungewollt mit übertriebener Gartenpflege oder unnötigen Aufräumarbeiten den Lebensraum von Insekten.

  • der häufige Einsatz von Rasenmäher oder Laubbläser
  • das Kleinschreddern von Gehölzschnitten und abgestorbenen Pflanzenteilen
  • der sofortige Rückschnitt von verblühten Staudenpflanzen
  • übertriebenes Entfernen vermeintlicher Unkräuter
  • das Entfernen und Zerkleinern von toten Bäumen oder Baumstümpfen

In vielen Gärten gibt es Bereiche die wenig genutzt oder selten betreten werden. Gerade diese Flächen eignen sich in der Gartengestaltung für das Anlegen kleiner Mini-Biotope, die Insekten und anderen Kleintieren und Lebewesen einen idealen Lebensraum bieten.

Das insektenfördernste in meinem Garten ist mit Sicherheit das Totholz. In einigen Ecken lasse ich der Natur einfach seinen Lauf und den jährlichen Gehölzschnitt einfach am Boden liegen. Zudem nutze ich Totholz als Beetumrandung, als Dekoelemente oder Sicht- und Windschutz.

In naturnahen Gärten bildet das Totholz neben Wasser und Nahrung eines der wichtigsten Elemente. Es bietet Nistplätze, Baumaterial und Nahrung für die unterschiedlichsten Insekten und Tiere und trägt somit zum Erhalt der Biodiversität im Lebensraum Garten bei.

Wie einfach es sein kann, Totholz in den eigenen Garten zu integrieren möchte ich euch gerne anhand von ein paar Fotos aus meinem Garten zeigen.

Auf dem Bild ist ein Beet zu sehen, das von loose aufgeschichteten Ästen umrandet ist

Loose Beetumrandung aus Totholz – Im Frühjahr kann man oft beobachten, wie sich Wildbienen, Hummeln, Wespen oder Hornissen am Baumaterial bedienen.

(Bild © kumusini)

Hier habe ich einen Birkenstamm und eine Weidenwurzel in ein Hochbeet gelegt. In den Birkenstamm ist jetzt eine Ameisenkolonie eingezogen

(Bild © kumusini)

Auf dem Bild ist ein Beet zu sehen, in dem zwischen Blumen und anderen Pflanzen ein Birkenstamm und eine Baumwurzel liegen
Auf dem Bild ist ein toter Apfelbaum zu sehen, an dem eine Kletterrose hochwächst

An diesem Stamm eines toten Apfelbaumes lasse ich eine heimische Kletterrosensorte hochwachsen.

In dem Stamm sind viele Insektengänge zu sehen.

(Bild © kumusini)

Eine Natursteinmauer bietet vielen Insekten Unterschlupf. Hier habe ich Natursteine mit Totholz kombiniert. Das Moos speichert Feuchtigkeit und schafft somit Lebensraum für alle Insekten, die auf ein feuchteres Klima angewiesen sind.

(Bild © kumusini)

Auf dem Bild ist eine Natursteinmauer zu sehen in der Äste und Totholz verbaut wurden. Die Steine und die Äste sind mit Moos bewachsen.

Ich weiß, dass ein wilderes Gartendesign nicht jeder Person so gut gefällt wie mir.

Trotzdem hat Totholz und etwas Unordnung im Garten viele Vorteile:

  • es bietet Lebensraum für Insekten und andere Tiere
  • es hilft beim Erhalt der Biodiversität
  • es macht viel weniger Arbeit

Wenn ihr Insektenhotels in euren Gärten anbringen möchtet, dann achtet bitte auf die oben genannten Kriterien.

Die Zeitschrift Ökotest hat im Jahr 2025 einige Insektenhotels getestet. Die teilweise unschönen Ergebnisse der Bewertung findet ihr hier.

Sinnvolle Insektenhotels zum Kauf bieten u.a. der NABU  oder das Naturschutzcenter .

Anleitungen zum artgerechten Selbstbau von Insektenhotels und -Nisthilfen findet ihr bei Insektenhotels.net , beim Landesverbund für Vogel- und Naturschutz Bayern e.V. oder beim NABU.


Wie sieht es in euren Gärten aus? Seid ihr eher im Team Totholz oder im Team Insektenhotel? Was sind eure Ideen für naturnahe Gartengestaltung?

Ich freue mich wie immer auf eure Kommetare 🖤


https://www.boell.de/de/2022/01/12/insektensterben-weltweit-ein-oekologisches-armageddon

https://www.wwf.de/themen-projekte/artensterben/insektensterben

https://altoetting.bund-naturschutz.de/fileadmin/kreisgruppen/altoetting/pdf/Projekte/Zusammenfassungen/MergnerWorkshopTotholz.pdf

https://www.oekotest.de/freizeit-technik/7-Insektenhotels-im-NABU-Check-Darauf-kommt-es-bei-einer-Nisthilfe-an_15383_1.html

https://www.nabu-shop.de/gartentier-produkte/insektenhotels

https://www.naturschutzcenter.de/insektenhotels

https://insektenhotels.net/

https://www.lbv.de/ratgeber/lebensraum-garten/insekten-im-garten/insektenhotel-selbst-bauen

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insekten-helfen/00959.html