Geocaching goes Bibliothek

von Nadja Namokel und Kathleen Quicker

„Stell Dir vor, du betrittst eine Bibliothek nicht nur, um ein Buch auszuleihen, sondern um auf eine spannende Schatzsuche zu gehen. Genau das ermöglichen Geocaches in Bibliotheken.
Eine faszinierende Verbindung von Literatur und moderner Schnitzeljagd!“

Vielleicht hast du es schon mal selbst ausprobiert oder kennst jemanden, der regelmäßig auf die Suche geht. Geocaching ist ein Sport, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut und das schon seit über 20 Jahren. Von vielen wird er als ‚moderne Version der Schnitzeljagd‘ bezeichnet. Die Spielmöglichkeiten beim Geocaching sind dabei sehr vielfältig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Geocaching?

Logo mit dem Wort Geocaching.

Beim Geocachen geht es darum, mithilfe von GPS-Daten ein Versteck zu finden und sich dann in das beiliegende Logbuch einzutragen. Viel wichtiger als das Ziel, ist aber der Weg dahin. Mittlerweile reicht es Geocachern weltweit schon längst nicht mehr aus, in der freien Natur nach neuen Caches zu suchen. Man kann in sogenannten Lost Places auf ‚Cache-Jagd‘ gehen oder bei einem Multi mehrere Stationen ablaufen, um schlussendlich zum Final, also zum Ziel zu gelangen.

Will man selbst Teil der Community werden, reicht es aus, wenn man sich kostenlos auf einer der verschiedenen Geocaching-Plattformen anmelden. Die Bekannteste ist die bereits im Jahr 2000 zuerst gegründete Plattform von Groundspeak. Allerdings gibt es noch viele weitere Websites. Auf diesen kann man sich als Premium-Mitglied mit einem jährlichen oder monatlichen Abo anmelden, wenn man alle verfügbaren Caches sehen möchte. Aber auch ohne Anmeldung kann man auf die Suche gehen und Caches loggen.

Bevor man auf die ‚Jagd‘ geht, sollte man aber das ein oder andere Equipment mitnehmen: ein aufgeladenes Smartphone oder GPS-Gerät, festes Schuhwerk, Stift und Notizbuch, Rucksack mit Essen und Trinken, Taschenlampe und Gummihandschuhe. Etwas, dass ebenfalls nicht fehlen sollte, sind kleine Tauschgegenstände von geringem Wert, z. B. kleine Überraschungsei-Figuren oder ähnliches. Denn es ist unter Cachern üblich, dass man beim Final ebenfalls solche kleinen Spielzeuge findet und vor Ort tauscht.

Die Community entwickelt immer wieder neue Ideen und so sind nun auch Bibliotheken Teil dieses großes Geocaching-Kosmos geworden.

Logbuch vom Geocaching mit Stift auf einem Baumstamm

Geocaching vs. Bibliotheken

Geocaching in Bibliotheken ist eine spannende Mischung aus Abenteuer und Lesespaß, die Bücherfans und Schatzjäger gleichermaßen begeistert! Die stillen Ecken und versteckten Winkel zwischen den Bücherregalen bieten perfekte Plätze für knifflige Rätsel und kreative Verstecke. So wird die Bibliothek zu einem Ort, an dem Generationen auf Entdeckungsreise gehen können. Ein Treffpunkt, der Tradition und modernen Freizeitspaß auf geniale Weise verbindet. Dieses innovative Konzept macht nicht nur schlauer, sondern zeigt auch, dass Bibliotheken viel mehr sein können als reine Leseorte:
Sie werden zu spannenden Spielwiesen für Wissensdurst und Entdeckerfreude!

Bücherregal in einer Bibliothek
[Pixabay]

In deutschen Bibliotheken wartet eine bunte Welt voller kreativer Geocache-Typen darauf, entdeckt zu werden!

Multi-Caches schicken Abenteurer quer durch das Bibliotheksgebäude und fordern sie heraus, spannende Infos aus Büchern oder Hinweisschildern zu entschlüsseln und dabei von Station zu Station zu laufen. Letterbox-Hybride kombinieren den nostalgischen Charme des Letterboxings mit dem Hightech-Feeling des Geocachings – ein absoluter Hit für Fans beider Welten. Traditionelle Caches, ein Cache ohne weitere Aufgaben oder Rätsel, findet man oft in kleineren Büchereien oder versteckt in öffentlichen Bücherschränken. Während virtuelle Adventure Labs bei Events, wie in Dresden, für ein außergewöhnliches digitales Suchabenteuer sorgen. Bei diesem neuen Geocaching-Typ werden keine physischen Cache-Behälter mehr benötigt.

Mit diesem kreativen Ansatz können Bibliotheken neue Zielgruppen begeistern und ihr Image aufpolieren. So tauchen die unterschiedlichsten Menschen ganz nebenbei in die Welt des Lesens ein und finden neben dem ein oder anderen spannenden Buch auch den gesuchten Cache.

Geocaching in Bibliotheken ist ein abwechslungsreiches Erlebnis, das für jeden etwas bietet! Zudem bringt es frischen Wind in traditionelle Bildungseinrichtungen und verbindet Lernen mit Freizeitgestaltung. Es zeigt eindrucksvoll, wie klassische Institutionen in der digitalen Ära relevant bleiben können – spannend, innovativ und überraschend anders.

Vor allem eins steht bei der ganzen Suche ganz klar im Vordergrund: Spaß haben und neue Welten und Gebiete entdecken. Dabei müssen zwar knifflige Rätsel oder andere Hindernisse überwunden werden, aber am Ende lockt immer das Ziel: das Verewigen im Logbuch.

Beispiele aus deutschen Bibliotheken

In Deutschland gibt es verschiedene Beispiele, wie Bibliotheken ‚Geocaching‘ in Szene setzen!

Die kleine Bücherei an der Bushaltestelle in Seeligstadt begeistert mit einem charmanten traditionellen Cache. Die Städtischen Bibliotheken Dresden sorgten 2024 mit einem Geocaching Mega-Event in der Zentralbibliothek für Aufsehen.

Und die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek? Sie ist Teil der GeoTour „Leibniz‘ Ge(o)heimnisse“ in Hannover, die anlässlich des Leibniz-Jahres 2016 entwickelt wurde. Auch die Bibliothek der Trierer Universität setzt Geocaching gekonnt ein. Auf dem Uni-Freigelände wartet ein finaler Cache darauf, entdeckt zu werden – ein spannendes Erlebnis für Studierende und Gäste!

Die Stadtbibliothek Bielefeld hingegen begeistert mit „Der Bücherwurm – Reloaded“. Dabei handelt es sich um eine Neuauflage ihres beliebten Geocaches, der die Besucher auf eine literarische Schatzsuche quer durch die Bibliothek schickt. Ein weiteres Highlight bietet die Stadtbibliothek Merzig. Mit ihrer beeindruckenden Sammlung von 48.000 Büchern verbirgt sich hier ein Geocache, der Besucher mit der Frage „Wo ist der Cache?“ in ein spannendes Rätselabenteuer eintauchen lässt.

Diese vielseitigen Ansätze zeigen, wie Bibliotheken Geocaching geschickt nutzen, um Besucher zu begeistern und ihre Räume in spannende Erlebniswelten zu verwandeln!

Geocaching Mega – Event

Facebook-Post zum Geocaching Mega-Event der Bibliothek Dresden mit "Fin", dem Maskottchen des Events

Das Geocaching Mega-Event „Lesen – Leihen – Loggen“ am 10. August 2024 in der Zentralbibliothek der Städtischen Bibliotheken Dresden war ein absoluter Volltreffer!

Mit über 3.000 Teilnehmenden aus mehr als zehn Ländern erlebte die Bibliothek ihren besucherstärksten Tag aller Zeiten. Das Event war ein aufregender Mix aus moderner Schatzsuche und bibliothekarischem Charme. Über 50 Adventure Lab Caches führten die Teilnehmer auf spannende Erkundungstouren durch die Bibliothek und die Umgebung. Workshops, Lesungen und inspirierende Vorträge zu Reisethemen entfachten den Abenteuergeist – perfekt abgestimmt auf das Geocaching-Erlebnis.

Für Kinder gab es spezielle Aktionen, die auch die jüngsten Schatzjäger mit einband, während Führungen durch die Bibliothek den Besuchern exklusive Einblicke in die Einrichtung boten. Ein individuelles Logbuch krönte den Tag und machte das Event unvergesslich.

Dieses Highlight zeigt, wie Bibliotheken mit kreativen Konzepten und moderner Technik neue Zielgruppen gewinnen und ihre Räumlichkeiten in echte Erlebniswelten verwandeln können. Die gelungene Kombination aus digitalem Abenteuer und klassischem Bibliotheksflair war ein voller Erfolg und definitiv ein Vorbild für andere!

Du möchtest mehr über die Atmosphäre und die Details des Events erfahren? Dann Schau gern mal in die Kritik von Kati1988.

Austausch mit einer Geocacherin

I: Sind Sie in einer Geocaching-Community (aktiv)?

B: Durch meinen Heimatort ist es vordergründig die Dresdner Geocaching Community, in der ich aktiv bin und aus der ich im Laufe der letzten Jahre viele Personen kennengelernt habe. Dies geschieht fast schon automatisch, wenn man an verschiedenen Geocaching-Events teilnimmt und dort miteinander ins Gespräch kommt.

I: Welche Tipps würden Sie Geocaching-Anfängern geben?

B: Sich zunächst einfache traditionelle Geocaches mit einer niedrigen Schwierigkeits- und Geländewertung zu suchen. Da ist der Cache auch wirklich an den angegebenen Koordinaten versteckt. Und auch den Kopf nicht in den Sand zu stecken, wenn die Dose einmal nicht gleich auf Anhieb gefunden wird – vielleicht hat man beim nächsten Mal mehr Glück. Am besten, man ist nicht allein unterwegs und nimmt noch Freunde mit, dann macht es gleich viel mehr Spaß!

I: Was hat Sie dazu inspiriert, ein Mega-Event zu organisieren?

B: Die Überlegung kam immer mal wieder bei kleineren Geocaching-Events mit anderen Geocacherinnen und Geocachern auf und diese fanden die Idee eines Mega-Events direkt vor der Haustür ohne weite Anfahrtswege natürlich super. Nachdem wir ein wenig ernsthafter darüber nachgedacht hatten, habe ich einen Gesprächstermin bei unserer Direktorin der SBD vereinbart und sie hat dem Ganzen zugestimmt.

Außerdem bot die Organisation eines Mega-Events die Gelegenheit, Geocacherinnen und Geocachern aus der ganzen Welt Dresden als Stadt und Reiseziel näher zu bringen – inklusive der Zentralbibliothek und der schönen Geocaches hier vor Ort. Hinzu kommt, dass das letzte Geocaching Mega-Event in Dresden eine Weile her war und schon 2012 stattgefunden hatte.

I: Wie lange hat die Planung und Vorbereitung gedauert?

B: Die Planungsphase startete im Frühjahr 2023 mit einem Gesprächstermin bei unserer Direktorin und ging ca. 1,5 Jahre.

I: Was waren die größten Herausforderungen bei der Organisation?

B: Zum einen waren dies einige bürokratische Richtlinien und Auflagen der Stadt, die wir während der Planung als auch während des Events selbst einhalten mussten. Auch die Umsetzung zur Einhaltung des Brandschutzes war nicht ganz einfach.

I: Gab es unerwartete Situationen, die Sie meistern mussten?

B: Ja, aber ich denke das bringt die Organisation eines Events dieser Größenordnung auch zwangsläufig mit sich. Dies war zum Beispiel der Fall, als alle unsere ehrenamtlichen Helfer aus der Community für den Eventtag plötzlich ein amtliches Führungszeugnis brauchten und nicht mehr viel Zeit dafür war.

I: Welche Trends beobachten Sie in der Geocaching-Community?

B: Geocaching hat in den letzten Jahren immer mehr Bekanntheit erlangt und viele Leute – zumindest in Deutschland – haben inzwischen zumindest schon einmal etwas davon gehört. Auch seit Corona hat die Anzahl der neuen Geocacherinnen und Geocacher zugenommen.

Die Dresdner Geocaching Community ist sehr aktiv, sodass in letzter Zeit fast täglich kleinere Events im Stadtgebiet stattfinden. Auch werden immer mehr Lab-Caches erstellt und gespielt.

I: Was macht für Sie ein perfektes Geocaching-Erlebnis aus?

B: Zum einen, wenn ich neue Orte kennenlerne, die ich ohne Geocaching nie entdeckt hätte. Zum anderen ist es toll, gemeinsam mit Freunden draußen in der Natur unterwegs zu sein, Abenteuer zu erleben und eine schöne Zeit zu haben. Wenn wir daneben noch Lost Place Caches besuchen oder es Geocaches mit einer interessanten Story sind, macht dies sehr viel Spaß.

Geocaching-Maskottchen in der Bibliothek

Wir hoffen, dein Interesse für die Bibliothek in deiner Nähe geweckt zu haben und vielleicht entdeckst du ja dort bald deinen ersten oder nächsten Cache.

Noch mehr Lust auf interaktive Spiele im Bibliothekskontext? Dann probier doch mal das.


Academic (2000-2025): Universität Trier. Online unter https://de.academic.ru/pictures/dewiki/85/Uni_Trier_-_UB.jpg [Abruf am 22.01.2025]

Austausch mit Kollegin/Geocacherin, welche das Mega-Event Dresden organisiert und durchgeführt hat.

Cacher-Reisen (2025): Was ist ein Travelbug? Beitrag vom 17. Januar 2022. Online unter https://www.cacher-reisen.com/blogs/news/was-ist-ein-travelbug [Abruf am 11.01.2025]

Cachewiki (2025): Cachebehälter. Zuletzt aktualisiert am 24. September 2024. Online unter https://www.cachewiki.de/wiki/Cachebeh%C3%A4lter [Abruf am 11.01.2025]

Cachewiki (2025): Cachetypen. Zuletzt aktualisiert am 07. Oktober 2024. Online unter https://www.cachewiki.de/wiki/Cachetypen [Abruf am 11.01.2025]

Cachewiki (2025): FTF. Zuletzt aktualisiert am 10. Mai 2020. Online unter https://www.cachewiki.de/wiki/FTF [Abruf am 11.01.2025]

Cachinghausen (2022): Was sind Muggels (bzw. Muggle) beim Geocaching? Online unter https://www.cachinghausen.de/was-sind-muggels-beim-geocaching/ [Abruf am 11.01.2025]

Genevieve (2023): Kreative Geocaches: Caches in Bibliotheken. Zuletzt aktualisiert am 7. November 2023. Online unter https://www.geocaching.com/blog/2023/11/kreative-geocaches-caches-in-bibliotheken/ [Abruf am 25.11.2024]

Geocaching (2000-2025): 48.000 Bücher – Wo ist der Cache?. Zuletzt aktualisiert am 29.01.2023. Online unter  https://www.geocaching.com/geocache/GC44K7V [Abruf am 19.01.2025]

Geocaching (2000-2025): Büchercaches. Online unter https://www.geocaching.com/plan/lists/BMDPP90 [Abruf am 02.01.2025]

Geocaching (2000-2025): Der Bücherwurm – Reloaded. Zuletzt aktualisiert am 29.01.2023. Online unter https://www.geocaching.com/geocache/GC454CE [Abruf am 19.01.2025]

Geocaching (2000-2025): Geocaching Adventure Lab. Online unter https://www.geocaching.com/sites/adventure-lab/de/ [Abruf am 27.01.2025]

Geocaching (2000-2025): Der Hort des Wissens. Zuletzt aktualisiert am 08.06.2009. Online unter https://www.geocaching.com/geocache/GC1WX84 [Abruf am 19.01.2025]

Geocaching (2000-2025): Leibniz` Geoheimnisse: Bibliothek. Zuletzt aktualisiert am 22.01.2016. Online unter https://www.geocaching.com/geocache/GC6A3JT_leibniz-geoheimnisse-bibliothek[Abruf am 26.01.2025]

Geocaching (2000-2025): Lesen – Leihen – Loggen. Zuletzt aktualisiert am 10.08.2024. Online unter https://www.geocaching.com/geocache/GCAB00K [Abruf am 27.01.2025]

Geocaching (2000-2025): Mach mit bei der weltweit größten Schatzsuche. Online unter geocaching.com/play [Abruf am 25.01.2025]

Geocaching-info.de (o.J.): Geocaching Plattformen. Online unter https://geocaching-info.de/geocaching-info/finden-verstecken/geocaching-plattformen [Abruf am 25.01.2025]

Geocaching.Website (2023): Welche Cachetypen gibt es? Zuletzt aktualisiert 2023. Online unter https://geocaching.website/was-ist-geocaching/welche-cachetypen-gibt-es/ [Abruf am 23.01.2025]

Gröger, Brigitte (2017): Entwicklung eines bibliothekspädagogischen Geocaching-Veranstaltungskonzeptes für Kinder an den Städtischen Bibliotheken Dresden. Bachelorarbeit. Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig

Gründel, Markus (2021): Geocaching I. Alles rund um die moderne Schatzsuche. 8., überarbeitete Auflage. Welver: Conrad Stein Verlag GmbH

Hannover entdecken…(2012): Stadtbibliothek Hannover – Bücher, Zeitungen und vieles mehr. Zuletzt aktualisiert am 14. August 2012. Online unter https://www.hannover-entdecken.de/wp-content/uploads/2021/09/Stadtbibliothek-Hannover.jpg [Abruf am 22.01.2025]

Höhne, Kati (2024): Die Welt von kati1988. Ein Geocaching – Blog. Zuletzt aktualisiert am 13. August 2024. Online unter https://kati1988.de/2024/08/13/lesen-leihen-loggen-so-war-das-mega-event-in-dresden/ [Abruf am 29.12.2024]

Sinnecker, Ute (2025): Geocaching Süd. Rätseln, GPS, Ausrüstung, Klettern, T5. Zuletzt aktualisiert 2025. Online unter https://www.geocaching-sued.de/wp-content/uploads/2012/05/Logo_Geocaching_Stacked_MuddyBootBrown.png [Abruf am 22.01.2025]

Städtische Bibliotheken Dresden (2024): Lesen – Leihen – Loggen: Geocaching meets Bibliothek. Zuletzt aktualisiert am 25.11.2024. Online unter https://www.bibo-dresden.de/de/aktuelles/2024/zentralbibliothek_geocaching-mega-event.php  [Abruf am 19.12.2024] 

van der Ende, Miranda (o.J.): Pinterest. Geocaching. Online unter  https://de.pinterest.com/pin/38069559324937061/ [Abruf am 22.01.2025]

Visit Hannover (2025): Geocaching: „Leibniz‘ Ge(o)heimnisse“ – Leibniz-GeoTour. Zuletzt aktualisiert am 20.12.2021. Online unter https://www.visit-hannover.com/Event-Highlights,-Kultur-Freizeit/Hannover-nachhaltig-unterwegs/Geocaching-in-der-Region-Hannover/Alle-Geocaches/Geocaching-Hannover-Leibniz%E2%80%98-Ge-o-heimnisse [Abruf am 26.01.2025]

Digitale Vielfalt in Bibliotheken – Von physischen Regalen zur digitalen Transformation

"Leseeule"
Abb. 2: Logo der Stadtbibliothek Deggendorf

Die Stadtbibliothek Deggendorf ist dank der digitalen Bibliothek schon lange mehr als nur ein Lager für gedruckte Bücher. Heute steht hier zusätzlich anderes im Fokus: Streams, Sounds und digitaler Zugang zu Wissen und Unterhaltung – all das steht im Mittelpunkt eines modernen Bibliothekskonzepts. Egal ob Sie eine Nachteule oder ein Frühaufsteher sind: Die digitale Bibliothek bietet Ihnen Zugang zu einer riesigen Medienvielfalt, rund um die Uhr und bequem von zu Hause oder unterwegs.

Mit der Onleihe der Stadtbibliothek Deggendorf etwa können Sie jederzeit und überall digitale Inhalte wie E-Books, Hörbücher und Videos ausleihen – alles über die komfortable App oder direkt im Browser. Und das ist nur der Anfang! Die weiteren Angebote der digitalen Bibliothek Deggendorf reichen von Musikstreaming über wissenschaftliche Recherchemöglichkeiten bis hin zu interaktiven Kinderbüchern. Die digitale Bibliothek ist also nicht nur ein Ort, sondern ein Service, der Ihre Medienbedürfnisse überallhin mitnimmt.

Digitale Medien jederzeit griffbereit: Die vielfältigen Angebote der Stadtbibliothek Deggendorf


Mit der digitalen Bibliothek aus Deggendorf haben Sie Zugriff auf eine umfassende digitale Medienvielfalt – von E-Books bis Musikstreaming. Die Onleihe z.B. ermöglicht es Ihnen, jederzeit und überall digitale Inhalte auszuleihen – ganz bequem auf Ihrem E-Bookreader, Tablet oder Smartphone.
Die digitalen Angebote der Stadtbibliothek Deggendorf basieren auf einer Vielzahl von Web- und App-Technologien, um eine breite Palette an Online-Diensten bereitzustellen. Diese umfassen Medienplattformen wie die OnleiheFilmfriendTigerBooks, Brockhaus Online und Freegal Music+.
Im Allgemeinen basiert der Bibliotheksdienst auf verschiedenen Programmiersprachen und Frameworks, die sowohl im Frontend als auch im Backend verwendet werden.

Digitale Vielfalt aus der Bibliothek

Für alle die gerne um Mitternacht einen Thriller lesen, Hörbüchern lauschen oder mit einem digitalen Sprachkurs ins Bett gehen wollen, ist die Onleihe genau das Richtige. Über diese digitale Plattform der Bibliothek lassen sich eBooks, ePapers, eAudios und sogar eVideos ausleihen. Alles was Sie dazu benötigen ist ein gültiger Bibliotheksausweis und der Zugang zur Welt der digitalen Medien gehört Ihnen. Mit dem Tablet oder Smartphone einfach die gleichnamige App installieren, anmelden und schon kann es losgehen. Die Onleihe ist ideal für Leser und Hörer.

Einfacher Einstieg


Wer bereits einen E-Book-Reader besitzt, kann diesen für die Onleihe verwenden – es sei denn, es handelt sich um einen Kindle. Dieser ist ausschließlich auf den Amazon-Kosmos begrenzt, da der Onlinehändler externe Software nicht unterstützt. Eine Abhilfe wäre das „jailbreaken“ des Geräts. Wenn Ihnen allerdings der Begriff Jailbreak in Bezug auf elektronische Geräte nichts sagt, lassen Sie besser die Finger davon.

Auch wenn Technik für Sie ein Buch mit sieben Siegeln sein sollte, kein Problem: Für Unsichere vergibt die Stadtbibliothek kostenlose Schnupperzugänge, Leihgeräte oder auch rund um die Uhr Zugang zu Hilfestellungen auf Onlineforen und Tutorial-Videos der Firma DiViBib, damit auch die letzte Angst genommen wird.


DRM und Flexibilität: Wie der Adobe Content Server die E-Book-Ausleihe organisiert

Digitale Bibliothek zuhause
Abb. 3: Mit dem Tablet gemütlich über die digitale Bibliothek seinen Lieblingsroman ausleihen

Der Adobe Content Server (ACS) generiert DRM-geschützte E-Books im PDF- und EPUB-Format, wobei eine ACSM-Datei den Download über Adobe Digital Editions (ADE) initiiert. Die Rechte werden serverseitig verwaltet. Der Content Server von Adobe kann beide Formate generieren. Während PDFs den Adobe Reader erfordern , sind EPUBs flexibler für E-Book-Reader.


Für den DRM-Schutz ist für die Erstnutzung des entliehenen E-Books ein Internetzugang erforderlich. Mit ADEPT wird die offline Nutzung ermöglicht. Allerdings nur auf Geräten, die mit der entsprechenden Software (z. B. Adobe Digital Editions) kompatibel sind. Dazu ist es dem Leser möglich, seine ausgeliehenen Medien vorzeitig zurückzugeben. Diese Funktion bietet sich wegen des Maximums von acht Ausleihen für Vielleser (oder -hörer) an. Die Leihfrist kann ebenfalls selbst festgelegt werden und reicht von einer Stunde (e-Paper) bis zu 21 Tagen. Eine Verlängerung ist jedoch nicht möglich. Sollte aber keine Vormerkung auf das zurückgegebene Medium vorhanden sein, kann es ohne Einschränkungen erneut ausgeliehen werden.

Ablauf Onleihe
  • Überblick über das DRM der DiViBib Onleihe und Verlauf einer Ausleihe ohne Nutzung mobiler Endgerätea


Diese Plattformen werden meist auf Basis von Java für eine moderne Webarchitektur erstellt. Weitere serverseitige Technologien sind HTML, CSS und JavaScript. Eine App-Version für iOS und Android wird wiederum mit Java (für Android) und Swift (für iOS) entwickelt.

Wissen digital – und zuverlässig

Für alle, die einen Beat im Herzen haben

Digitale Bibliothek zum Musikstreaming
Abb. 4: Die digitale Bibliothek als Zugang zum Musikstreaming


Der Begriff Freegal stellt ein Kofferwort 1 aus free (kostenlos) und legal (zum Download) dar.

In der digitalen Bibliothek gibt es die Kinder-App mit Löwenherz

Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren haben jetzt einen neuen digitalen Freund: die TigerBooks-App. Hier werden Geschichten auf Tablets und Smartphones lebendig. Mit interaktiven Funktionen, wie z.B. Mini-Spielen wird Lesen fast so spannend wie ein Versteckenspielen im Garten. Und das Beste? Eltern können sich entspannt zurücklehnen, während die Kleinen in der App Abenteuer erleben – ohne dass sich jemand im Wohnzimmer auf Schatzsuche begibt.

Literarisches Lernen im digitalen Zeitalter: Wie TigerBooks die Rezeptionskompetenz von Kindern fördert


Literarisches Lernen wird als Persönlichkeitsbildung an literarischen Modellen verstanden und dient im Literaturunterricht als umfassender didaktischer Integrationsbegriff. Während sich traditionelle Modelle auf Inhalt und Darstellung konzentrieren, erweitert u.a. TigerBooks diese um literarische, medienspezifische und intermediale Rezeptionskompetenz. Für digitale Bilderbücher ist insbesondere die Interaktivität zentral.
TigerBooks ist ein Teil des digitalen Angebots der Tiger Media GmbH, das sich auf Inhalte für Kinder spezialisiert hat. Über die gleichnamige App bietet das Unternehmen in Kooperation mit zahlreichen Verlagen E-Books, Hörbücher und interaktive Medien an. Besondere Features wie Vorlesefunktionen, Animationen und Spiele werden als kinderfreundlich und sicher beworben. Eltern profitieren von werbefreien Inhalten und individuell einstellbaren Kinderprofilen. Die App zielt darauf ab, eine kontrollierte und ansprechende Alternative zu frei zugänglichen Internetangeboten zu bieten.

Tutorial-Video zu TigerBooks
BeeBots

Um die Leseförderung in der digitalen Bibliothek zu unterstützen und gleichzeitig noch erste Berührungspunkte zum Erlernen der Programmierung zu schaffen, werden u.a. BeeBots genutzt.
Genauere Informationen zu diesem Thema finden Sie in diesem Artikel von Sascha Ecke.2

Rückseite BeeBot
Abbildung 5: Rückseite des BeeBots mit Programmiertasten


Freegal Music+ und TigerBooks als mobile Anwendungen werden, wie bei anderen Apps, mit Cross-Plattform-Frameworks wie React Native entwickelt, um die Nutzung auf verschiedenen Geräten zu ermöglichen.

Netflix kann einpacken (zumindest ein bisschen)

In den letzten Jahren hat sich der Filmkonsum stark ins Internet verlagert. Was auch Bibliotheken vor neue Herausforderungen stellt. Der Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) hat darauf mit der Einführung von Filmfriend reagiert und eine Streaming-Plattform, die speziell auf Bildungsaspekte und Datenschutz ausgelegt ist. Ziel ist es, digitale Kompetenzen zu fördern um eine Bibliothek modern und attraktiv zu positionieren, ohne dabei direkt mit kommerziellen Streaming-Anbietern zu konkurrieren. Als Leser melden Sie sich über die App oder den Browser mit Ihren Bibliothekszugangsdaten an. Damit haben Sie Zugriff auf über 3.500 Filme und Serien um Ihre Abende aufzupeppen. Von Arthouse-Perlen oder Blockbustern über Krimiserien bis hin zu Kinderklassikern: Es gibt für jeden etwas, sogar für die härtesten Kritiker in der Familie.

Filmfriend und ähnliche Streaming-Dienste verwenden eine Kombination von Node.js für die serverseitige Logik, React für das Frontend und Datenbanktechnologien wie SQL-Systeme für die Verwaltung großer Mediendatenbestände.

Die digitale Bibliothek macht den Leser zum Chef!

Anrufen und einen gestressten Bibliotheksmitarbeiter damit behelligen, dass man die Leihfrist seiner ausgeliehenen Medien verlängern möchte? Anschließend noch die Frechheit besitzen zu fragen, ob ein bestimmtes Buch im Bestand ist? Damit muss sich der Leser nun nicht mehr beschäftigen, denn mit dem Online-Katalog kann er dies selbst erledigen.
„Google und Konsorten haben das Suchverhalten unserer Nutzer grundlegend verändert.“ Wahrer könnte diese Erkenntnis nicht sein.


Zwischen Suchmaschinen und Bibliotheken: Warum moderne Katalogsysteme unverzichtbar sind


Eine Studie von OCLC kam zur Erkenntnis, dass Internet-Nutzer zu 84% eine digitale Recherche über eine Suchmaschine dem Gang zur Bibliothek vorziehen. Das ist im Gegensatz zu dem Anteil, der zuerst zu Letzterem geht, mit 2% fast schon Makulatur. Trotz allem ergab sich aus eben jener Umfrage auch, dass Studenten Informationen, welche sie von Bibliotheken erhalten, glaubwürdiger einstufen. Deshalb sollten Bibliotheken mit der Zeit gehen und folgende Punkte mindestens erfüllen.
Die Anforderungen an Katalogsysteme lassen sich in zwei Bereiche unterteilen: Funktionalitäten der Suchoberfläche und -mechanismen sowie den Informationsgehalt der Datensätze und die Breite der erschlossenen Bestände. Diese Elemente beeinflussen sich gegenseitig. Beispielsweise kann eine umfassendere Suche durch Relevance Ranking übersichtlich gestaltet werden. Viele Technologien, die das Suchverhalten verbessern, sind aus dem Information Retrieval bekannt und werden in der OPAC-Forschung seit Langem gefordert.

Rund um die Uhr Zugriff

WebOPAC


Zudem wird dem Nutzer über den Online-Zugang Zugriff auf ein persönliches Bibliothekskonto gegeben. Hier ist es möglich seine Daten zu ändern oder auch, falls noch nicht geschehen, seine E-Mailadresse hinzuzufügen.

Damit lässt sich auch einrichten, dass man neben den Ausleihquittungen, und Erinnerungsbenachrichtigungen zur Gültigkeit der Mitgliedschaft auch Fälligkeitsnachrichten bekommt oder wenn die Leihfrist eines Mediums abläuft. Es muss wahrscheinlich nicht weiter ausgeführt werden, dass seit Einführung dieses Features die Gebührenreinnahmen um fast 80% zurückgingen.

Die digitale Bibliothek wartet mit Technik auf die begeistert – trotz eventueller anfänglicher Berührungsängste!

Um auf all diese Angebote zuzugreifen, brauchen Sie nur Ihren Bibliotheksausweis und erhalten die notwendigen Zugangsdaten. Und für alle, die bei digital an Kabelsalat denken: Die Stadtbibliothek hilft gern weiter, falls es mal hakt. On- wie offline! Technik-Support,

damit Sie und Ihr Streamingglück nicht auf der Strecke bleiben. Ob Sie Wissen anhäufen, zu den Hits der 80er tanzen oder den Kleinsten spannende Geschichten vorsetzen möchten – die Stadtbibliothek Deggendorf beweist, dass sie auch in der digitalen Ära den Durchblick hat. 

Literaturverzeichnis:

  • Lorenz, Andreas (2011): Digital Rights Management bei E-Books am Beispiel der DiViBib Onleihe. Fachhochschule Köln.
  • Gränicher, Martin (2010): Meinten Sie „Web-OPAC“?. Aktuelle Entwicklungen bei Bibliothekskatalogen. In: Informationswissenschaft: Theorie, Methode und Praxis Bd. 1, H. 1, S. 99 – 128.
  • Mutter, Moritz (2017): Filmfriend – Streaming für Bibliotheken. In: BuB – Forum Bibliothek und Information. Jg. 2017, Bd. 12, S. 662 – 663.
  • Emmersberger, Stefan (2020): TigerBooks, SuperBuch und Co.. Qualitäten und literaturdidaktische Potentiale interaktiv aufbereiteter Bilderbücher in digitalen Medienangeboten. In: MiDU – Medien im Deutschunterricht. Jg. 2 (2020), H. 1, S. 1 – 18.
  • Gränicher, Martin (2010): Meinten Sie «Web-OPAC»?.Aktuelle Entwicklungen bei Bibliothekskatalogen. In: Informationswissenschaft: Theorie, Methode und Praxis. Jg. 1 (2010), S. 99 – 128.

Abbildungen:

  • Abbildung 1: Gebäude Stadtbibliothek Deggendorf, Quelle: selbstproduziert2021
  • Abbildung 2: „Leseeule“, Logo Stadtbibliothek Degendorf, Quelle: ebenda 2016
  • Abbildung 3: Tabletnutzerin, Quelle: Fotolia [2024]
  • Abbildung 4: Silent Disco Kopfhörer, Quelle: Fotolia [2024]
  • Abbildung 5: Rückseite BeeBot, Quelle: Pinterest [2024]
  • Video 1: Tutorial-Video der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam zu TigerBooks, Quelle: ebenda [2024]
  • Video 2:Tutorial der Stadtbibliothek Deggendorf zum WebOPAC, Quelle: selbstproduziert 2023

Fußnoten:

  1. Wörter für biologische Kreuzungen wie „Schiege“ (Kreuzung aus „Schaf“ + „Ziege“) und „Jostabeere“ (Kreuzung aus „Johannisbeere“ + Stachelbeere“) sind Beispiele für Kofferwörter. Geläufigere Kofferwörter sind Wörter wie „jein“, „Kurlaub“, „Stagflation“ usw  ↩︎
  2. Ecke, Sascha (2025): Einsatz von Bee-Bots in öffentlichen Bibliotheken. In: Hochschule Hannover. Verfügbar unter: https://testweblab.wp.hs-hannover.de/wp-admin/post.php?post=27481&action=edit. Letzter Aufruf: [24.01.2025] ↩︎

Digitale Veranstaltungsformen – Neue Realität

Name: Denisa Teliban, Matrikelnummer: 1757841, Veröffentlichung: Ja

Innerhalb kürzester Zeit wurden Schulen und Universitäten geschlossen, Arbeitsplätze ins Homeoffice verlagert, und die digitale Transformation, die vorher Jahre gedauert hätte, wurde quasi über Nacht Realität – Unsere Realität.

Ein Überblick auf die digitalen Veranstaltungsformen, die in Bildern dargestellt werden.
Ein Überblick auf die digitalen Veranstaltungsformen, die in Bildern dargestellt werden.

Plötzlich saßen wir alle zu Hause – Schüler vor Laptops, Lehrer vor Webcams und Eltern als Improvisationstalente zwischen Job und Homeschooling. Die Corona-Pandemie hat das Lernen auf den Kopf gestellt und digitale Veranstaltungsformen in den Fokus gerückt. Begriffe wie Blended Learning, hybrides Lernen und Flipped Classroom sind seitdem nicht nur Trendwörter, sondern entscheidende Bausteine eines neuen Lernzeitalters. Doch was steckt wirklich hinter diesen Konzepten? Was macht diese Formate so besonders?

Inhaltsverzeichnis

Blended Learning

Wie es schon in den Namen zu erkennen ist, Blended (auf Deutsch „vermischt“)  Learning ist die Mischung aus Präsenzschulungen und digitalen Formate. Die Präsenz- und virtuelle Lehre finden also im Wechsel statt. Vor allem in der Arbeitswelt ist Blended Learning auch noch heute präsent. Häufig kommt es vor, dass man die Wahl zwischen dem Arbeiten im Büro oder dem Arbeiten von zu Hause hat.1

Hier wird das Konzept von Blended Learning dargestellt.
Verknüpfung der Lernformen

Vor- und Nachteile für Blended Learning

Die Flexibilität ist ein großer Vorteil des Blended Learnings. Studierenden können Lerninhalte in der E-Learning Phase flexibel und den eigenen Bedürfnissen entsprechend abrufen, unabhängig von Ort und Zeit. Die Lerntypen sind auch flexibel. Jeder Lernende hat die Möglichkeit, eine Lernmethode zu verwenden, die am besten zu dem jeweiligen Lerntyp passt.

Als Nachteil zählt das falsche Bild, wo Studierende oft erwarten, dass weniger Präsenzkurse auch weniger Aufwand bedeuten. Lernende können vom Arbeitsaufwand echt überrascht werden. Hier kommt die Selbstdisziplin im Spiel. Einige Lernende haben Schwierigkeiten damit, Verantwortung für Zeitmanagement und eigene Lernerfolge zu übernehmen. Ohne Selbstdisziplin gestaltet sich Blended Learning äußerst schwierig.

Inverted/Flipped Classrooms

Flipped Classrooms wird auch als Inverted Classrooms erkannt, weil das klassische Unterrichtsmodell umgedreht wird. Bei dem Konzept des Inverted/Flipped Classrooms erarbeiten die Lernenden sich das Wissen eigenständig in der Selbstlernphase mit Erklärvideos, Audiodateien, Texten und Aufgaben und vertiefen dieses dann in der Präsenzphase, wo sie die Möglichkeit erhalten, Fragen zu stellen, sich gegenseitig auszutauschen und die Aufgaben zu besprechen.2

Vor- und Nachteile für Inverted/Flipped Classrooms

Viele Studierende geben an, gerne mit den hauptsächlich verwendeten Materialien zu arbeiten. Durch die Selbstlernphase können Eigenverantwortlichkeit, Arbeits- und Lernstrategien sowie die Motivation gesteigert werden. Hier ist die Flexibilität auch ein großer Vorteil. Denn der große Anteil an selbstständiger Arbeit ermöglicht eine flexiblere Einteilung und Vereinbarung von Studium und Beruf oder Familie.

So wie bei Blended Learning, ist die Selbstdisziplin wichtig. Um nicht den Anschluss zu verlieren, sind eine gute Selbstorganisation und auch Motivation nötig. Außerdem durch die Abhängigkeit von technischen Geräten in der Selbstlernphase, besteht die Gefahr, das bei technischen Problemen das Material nicht hochgeladen werden kann oder Lernende nicht darauf zugreifen können.

Hybrides Lernen

Hier wird gezeigt, wie die hybriden Lernräume gestaltet werden.
Hybriden Lernräume gestalten

Viele verwechseln Hybrides Lernen mit Blended Learning. Diese zwei digitale Veranstaltungsformen sind zwar ähnlich, aber nicht dasselbe.  Beim Hybrid-Lernen können Studierende sowohl in Präsenz als auch virtuell an Veranstaltungen teilnehmen. Die Unterrichtsinhalte sind persönlich und online verfügbar. Der Fokus liegt darauf, Lernenden unterschiedliche  Möglichkeiten anzubieten, wo und wie sie lernen wollen. Gleichzeitig soll die Einbindung von Technologie in die Lehre erleichtern werden. Hybrides Lernen ist also ein Format, bei dem einige Teilnehmer vor Ort in einem Klassenraum anwesend sind, während andere gleichzeitig online zugeschaltet sind.3

Ermöglicht wird die Auflösung verschiedener Zweiteilungen:

  • Physisch / Virtuell
  • Gleicher Ort / Unterschiedlicher Ort
  • angeleitet / selbstgesteuert

Das hybride Lernen kommt mit ähnliche Vorteile wie bei Blended Lerning und Flipped Classrooms. Hier sind paar Probleme, die auftreten können:

  • hohe Implementierungskosten
  • komplexe technische Setups
  • fehlende Standards
  • fehlende Affordanz: Es ist nicht nur wichtig, was ein Raum in der Theorie für Möglichkeiten bietet, gleichzeitig sollte es offensichtlich sein, dass er dies tut.

Fazit

Die digitale Transformation hat die Art und Weise, wie wir lernen und lehren, nachhaltig verändert. Konzepte wie Blended Learning, hybrides Lernen und Flipped Classrooms zeigen, dass Bildung heute flexibler, individueller und ortsunabhängiger gestaltet werden kann. Sie bieten zahlreiche Vorteile, erfordern jedoch auch ein hohes Maß an Selbstorganisation, technischer Infrastruktur und klarer Kommunikation.


Wie fandet ihr damals das Homeschooling? Schreibt gerne in die Kommentare!

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Quellen

  1. Mivekannin, Maurice (2020): Blended Learning – Die Mischung macht ́s. Zuletzt aktualisiert am 12.11.2020. Online unter https://www.appvizer.de/magazin/bildung/e-learning/blended-learning [Abruf am 21.01.2025]
    ↩︎
  2. Anders, Florentine (2024): „Flipped Classroom“ – Wie wirksam ist die Methode ? Zuletzt
    aktualisiert am 28.03.2024. Online unter https://deutsches-schulportal.de/unterricht/wie-
    wirksam-ist-die-methode-flipped-classroom/ [Abruf am 21.01.2025] ↩︎
  3. Kohls, Christian; Dubber, Dennis (2023): Hybride Lernräume gestalten. Herausgegeben von e-teaching.org. Tübingen.
    Online unter https://www.eteaching.org/etresources/pdf/erfahrungsbericht_2023_kohls_dubbert_hybride-lernraeume-gestalten.pdf ↩︎

Chatbots als universelle Alltagshelfer?

Der Begriff „Chatbot“ setzt sich aus den Wörtern „to chat“, also plaudern oder unterhalten und der Abkürzung „Bot“, für Roboter zusammen. Die meist text- oder sprachbasierten teil- oder vollautomatisierten Dialogsysteme dienen vor allen Dingen als Kommunikationsschnittstelle zwischen Menschen und Maschine. Die Kommunikation erfolgt hierbei meist über Websites und Messaging-Dienste, aber auch über Smartphone- und Tablett Apps. Die meist mit einer eigenen Identität und einem Namen ausgestatteten und als Avatar oder Icon dargestellten kleinen Helfer findet man mittlerweile auf vielen Internetseiten. Dabei sind Chatbots längst keine neue Erfindung – ihre Ursprünge haben sie bereits in den 1950er Jahren.

1950 – Turing Test

Der 1950 von Alan Turing entwickelte Turing Test dient auch heutzutage noch als Grundlage für die Berechnung der Leistungsfähigkeit von Chatbots. Mit dem Gedanken, ob Maschinen denken können legte er den Grundstein für deren Entwicklung.


1966 – ELIZA

Ein Meilenstein in der Geschichte stellt das (damals noch nicht unter dem Begriff „Chatbot“) bekannte Programm ELIZA dar. Entwickelt wurde es von MIT-Wissenschaftler Joseph Weizenbaum und Decodiergenie Alan Turing. Das Programm simulierte ein Gespräch zwischen einem Therapeuten und einem Menschen und sollte so den Nutzenden täuschen. Mit Hilfe eines feststehenden Thesaurus und der Fähigkeit eingegebene Schlüsselwörter und Phrasen zu erkennen, konnte ELIZA vorprogrammierte Antworten zurückgeben.


1972 – PARRY

PARRY basiert auf der Idee von ELIZA und wurde von Psychiater Kenneth Colby entwickelt. Das Programm simulierte das Denken einer paranoiden Person oder einer paranoiden schizophrenen Person. Es sollte Colby als wissenschaftlichen Ansatz für die Untersuchung von kognitiven Prozessen und psychischen Krankheiten dienen und dabei helfen, dass Krankheitsbild Schizophrenie besser zu verstehen. Dafür arbeitete PARRY vor allen Dingen mit einem komplexen System von Annahmen und den darauf folgenden emotionalen Erwiderungen.


1988 – Jabberwacky

Jabberwacky ist der erste lernende Chatbot, welcher von Rollo Carpenter entwickelt wurde. Basierend auf Ansätzen des maschinellen Lernens ist er hauptsächlich auf das Führen von Unterhaltungen ausgelegt. Durch die Wiederholung bereits geführter Gespräche mit Hilfe einer Feedback-Schleife wird der Chatbot kontinuierlich mit neuen Informationen gefüttert, verbessert und ist für zukünftige Unterhaltungen immer auf dem neusten Stand. Das seit 1997 laufende Chatbot-Projekt erfreut sich durch den stätigen Zuwachs im Datenbestand bis heute einer großen Community.


1994 – „Chatterbot“

Michael L. Mauldin, seines Zeichens nach amerikanischer Wissenschaftler und Erfinder der Websuchmaschine „Lycos“ kreierte Anfang der 90er Jahre den Begriff „Chatterbot“, welchen er in einem von ihm veröffentlichten Papier auf einer im selben Jahr stattfindenden Konferenz präsentierte.

Kleiner, rosa weißer Roboter mit freundlichem Gesicht.
Quelle: Pixabay, Editor Alexandra_Koch, https://pixabay.com/de/photos/roboter-ai-chatbot-technologie-7720755/
1995 – A.L.I.C.E

A.L.I.C.E. – die Artificial Linguistic Internet Computer Entity wurde von Richard Wallace entwickelt und ist der erste dokumentierte Chatbot, welcher mit Natural Language Processing (NLP) arbeitet. Basierend auf ELIZA, jedoch ausgestattet mit einer deutlich verbesserten Leistungsfähigkeit, wurde das Programm nach dem Computer benannt, auf dem es zum ersten Mal ausgeführt wurde. Als Open-Source-Projekt gestartet arbeiteten nebenbei zahlreiche Programmierer an dem für A.L.I.C.E typischen XML-Dialekt AIML (Artificial Inteligence Markup Language), welche ebenfalls von Richard Wallace entwickelt wurde.


2005 – Mitsuku

Ebenfalls auf der Auszeichnungssprache AIML basierend wurde Mitsuku im Jahr 2005 von Steve Worswick entwickelt. Der Chatbot dient vor allen Dingen der Unterhaltung und kann Gespräche über mehrere Stränge unterhaltsam gestalten und aufrechterhalten. Ihr Erfinder verpasste Mitsuku außerdem eine eigene Persönlichkeit – eine 18-jährige junge Frau aus dem Vereinigten Königreich.


2011 – Projekt Watson

Im Jahr 2011 machte das Computerprojekt Watson des Unternehmens IBM auf sich aufmerksam in dem es in der amerikanischen Spieleshow „Jeopardy“ gegen die beiden besten Spieler aller Zeiten antrat und gegen sie gewann.


2016 – Tay

Der von Microsoft entwickelte Chatbot Tay machte vor allen Dingen mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam. „XiaoIce“, der ursprünglich für den chinesischen Markt konzipierte Chatbot erfreute sich in Asien großer Beliebtheit und diente vorwiegend der Unterhaltung. Er konnte über verschiedene Social- Media Accounts Gespräche mit Teenagern und jungen Erwachsenen führen. 2016 kündigte Microsoft an den chinesischen Vorreiter unter dem Namen „Tay“ auch auf dem amerikanischen Markt einzuführen. Er hatte den Zweck Nutzenden zuzuhören und aus deren Gesprächen und Antworten für künftige Konversationen zu lernen. Verknüpft wurde Tay mit der Social-Media Plattform Twitter (jetzt X). Innerhalb kürzester Zeit wurde der Chatbot mit rassistischen Aussagen gefüttert und verwendete diese für folgende Gespräche. Auf Grund dessen wurde der Chatbot nach nur 18 Stunden wieder vom Markt genommen.


2016 ff.

Ab 2016 ist die Entwicklung neuer Chatbots nicht mehr aufzuhalten. Große Konzerne wie Google, Apple, Facebook oder Amazon entwickelten in den folgenden Jahren ihre eigenen Chatbot-Lösungen z.B. in Form der Sprachassistenten „Siri“ oder „Alexa“.

Regelbasierte Chatbots

Regelbasierte Chatbots basieren auf vordefinierten Skripten. Entsprechende Fragen und dazugehörige Antwortmöglichkeiten müssen im Vorfeld ausgearbeitet und in einer Datenbank hinterlegt werden. Strukturiert als Dialogbaum sollen sie ein echtes Gespräch simulieren. Stellen Nutzende also eine Frage, durchsucht das System mittels Schlagwörtern die Datenbank und gibt bei einem Treffer die jeweilig passende Antwort aus. Werden Fragen gestellt, welche im Vorfeld nicht in die Wissensdatenbank eingepflegt wurden, kann der Chatbot auf diese auch nicht antworten. Aufgrund ihrer vorgefertigten festen Struktur lassen sich neue Technologien, wie Machine Learning oder Künstliche Intelligenz (KI) nicht implementieren. Regelbasierte Chatbots werden daher vor allen Dingen für standardisierte Abfragen eingesetzt, wie z.B. für Statusabfragen zu einer Bestellung.

Intelligente/KI-basierte Chatbots

Im Unterschied zu regelbasierten Chatbots ist es intelligenten Chatbots mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) und Machine Learning möglich über ihre Wissensdatenbank hinaus Fragen von Nutzenden zu beantworten. Dank Natural Language Processing (NLP), verstehen sie die natürliche Sprache und können die Intention einer Person verstehen, verarbeiten und entsprechend beantworten. So stellen selbst besonders komplexe, anspruchsvolle oder lange Anfragen kein Problem dar. Durch Machine Learning wird die bereits vorhandene Wissensdatenbank selbstständig kontinuierlich erweitert. Vorangegangene und aktuelle Konversationen werden genauestens analysiert und verarbeitet, sodass in kommenden Gesprächssituationen eine optimierte Antwort auf Basis der erlernten Kenntnisse ausgegeben werden kann. Trotz langer und intensiver Entwicklungszeit und sehr hohen Entwicklungskosten bei der Erstprogrammierung sind intelligente Chatbots langfristig gesehen äußerst effizient. Einer der bekanntesten KI-basierten Chatbots ist ChatGPT. Dieser kann nicht nur Fragen beantworten, sondern auch Texte verfassen, Codes für verschiedene Programmiersprachen schreiben oder Bilder generieren. Damit ist er vielfältig und in verschiedensten Lebensbereichen einsetzbar, so z.B. auch im Bibliothekswesen. Ausgereifte Programmiertechniken sorgen außerdem dafür, dass die Identifikation, ob die Konversation ein Mensch oder eine Maschine führt zunehmend schwerer fällt.

Anwendungsspezifische Chatbots

Anwendungsspezifische Chatbots sind eine Mischung aus regelbasierten und intelligenten/ KI-basierten Chatbots. Sie zeichnen sich vor allen Dingen durch ihre dem jeweiligen Nutzungsbedarf angepasste, grafische Gestaltung aus. Beispielhaft hierfür wäre ein digitaler Assistent, welcher Nutzenden bei der Terminbuchung von Restaurants oder Hotels behilflich ist. Mit nur wenigen Klicks können Termine bestätigt, verschoben oder storniert werden. Das spart Zeit und fördert die Kundenzufriedenheit. Anwendung findet er deshalb oft im Bereich des Online-Banking oder bei Versicherungen.

Liegende Frau arbeitet an einem Laptop. Über schwebt eine Gedankenblase mit einem AI Logo
Quelle: Pixabay, Editor Alexandra_Koch, https://pixabay.com/de/photos/frau-computer-chatgpt-digital-chat-7761176/

Eingesetzt werden Chatbots in diversen Bereichen. Besonders beliebt sind sie jedoch dort, wo sich wiederholende Prozesse vollständig automatisieren lassen. In den folgenden fünf Unternehmensbereichen lassen sich Chatbots besonders gut integrieren:

Kundenservice

Chatbots sind im Kundenservice kaum noch wegzudenken. Probleme, wie das stundenlange verharren in Callcenter Warteschleifen können dank einer smarten Chatbot-Lösung einfach umgangen werden. So ist es möglich wiederkehrende Fragen, Probleme oder andere spezifische Anliegen zu jeder Zeit und an jedem Ort schnell, einfach und effizient direkt über die Website des Unternehmens zu klären. Durch die Verknüpfung des Chatbots über eine API-Schnittstelle mit anderen internen Systemen, wie z.B. einer CRM-Software oder Logistik-Software können Unternehmen Nutzenden noch viele weitere und vor allen Dingen individuell angepasste Services anbieten. So können Statusabfragen bei erwarteten Lieferungen, der Wechsel der Bankverbindung beim Energieversorger, die Erledigung von Hotelbuchungen oder Restaurantreservierungen bis hin zu ganzen Tourenplanungen mittlerweile ganz ohne menschliches Eingreifen erledigt werden. Klassische Beispiele hierfür wären der Chatbot Marie von DHL, Theo – der Chatbot des Reiseunternehmens TUI oder Serviceassistentin Clara des Versandhändlers OTTO.

Abbildung zeigt Chatverlauf des Post & DHL Servicechatbots Marie
Marie – Post & DHL Servicechatbot
Abbildung zeigt Chatverlauf des Chatbots Theo des Reiseunternehmens TUI
TUI Assistent Theo
Abbildung zeigt Chatverlauf des des Chatbots Clara des Versandhändlers OTTO
Chatbot Clara von OTTO
Marketing

Im Marketingbereich sind der Fantasie der Unternehmen keine Grenzen gesetzt. So eignen sich Chatbots hervorragend um Werbekampagnen schnell und einfach umzusetzen und so die Reichweite und Präsenz des Unternehmens auf dem Markt deutlich zu steigern. Die Bandbreite reicht von einfachen Smalltalks mit Anwendenden bis hin zu Gewinn- oder Rätselspielen. Eine sehr ausdrucksstarke und virale Marketingkampagne stellte eine begrenzte Aktion des Spirituosenherstellers Jägermeister aus dem Jahr 2016 dar. Mit dem sogenannten Jäm-Bot, dem ersten rappenden Chatbot weltweit, konnten Nutzende via Messenger mit Hilfe der Rapper Eko Fresh und Ali As aus einfachen Textnachrichten ein personalisiertes Musikvideo erstellen und dieses an Freunde und Familie verschicken.

Kundenberatung und Verkauf

Im Verkaufsbereich und der Kundenberatung werden Chatbots meist zur Neukundengewinnung und dem damit verbundenen Ziel der Umsatzsteigerung verwendet. So können sie einen Großteil der Vorarbeit für einen evtl. folgenden Kaufprozess leisten. Sie erkennen Neukunden auf der Website, beobachten und analysieren das Navigationsverhalten des Besuchenden innerhalb der Website, sprechen die Person durch Push-Benachrichtigungen direkt an und leiten anschließend ein Verkaufsgespräch ein. Erkennt das Dialogsystem eine ernsthafte Kaufabsicht, wird dem Besuchenden meist ein persönliches Gespräch mit einem Mitarbeitenden via Service-Telefon oder persönlicher Beratung vor Ort in einer Filiale nahegelegt. Einsatzbereiche wären z.B. das Finanz- und Versicherungswesen, die Telekommunikations-, Reise- und Automobilbranche und der Handel. Exemplarisch wären hier die digitale Reiseassistentin des Versicherungsunternehmens ARAG zu nennen, TOBi – der Chatbot von Vodafone und HAL – der erst kürzlich eingeführte Chatbot des Kulturkaufhauses Dussmann.

Abbildung zeigt Chatverlauf der ARAG Reiseassistenten
ARAG Reiseassistentin
Abbildung zeigt Chatverlauf des Chatbots TOBi des Unternehmens Vodafone
Chatbot TOBi von Vodafone
Abbildung zeigt Chatverlauf des Empfehlungschatbots HAL des Kulturkaufhauses Dussmann
Chatbot HAL von Dussmann
Öffentliche Verwaltung

In der Öffentlichen Verwaltung werden Chatbots momentan vorwiegend im Bereich des Bürgerservice eingesetzt. So unterstützen sie Bürgerinnen und Bürger z.B. bei der Vereinbarung von Terminen, bei der Beantragung von Führungszeugnissen, Geburts-, Ehe- oder Sterbeurkunden, KfZ-Kennzeichen, Personal- und Parkausweisen oder Reisepässen. Auch die Meldung von Schäden und Defekten im Stadtbereich kann durch das digitale Dialogsystem übernommen werden und so die Verwaltung entlasten. Viele Städte und Kommunen arbeiten mittlerweile bereits an Konzepten für eine solche technische Unterstützung. Einige wenige setzen diese bereits aktiv im Alltag ein. Beispielhaft zu nennen wäre hier „Toni“ – der Chatbot der Stadt Osnabrück.

Unternehmensinterne Verwendung

Unternehmensintern finden die Plauderroboter vor allen Dingen bei der Erledigung organisatorischer Aufgaben Anwendung. So können Mitarbeitende mit Hilfe eines Chatbots unter anderem Besprechungsräume reservieren, die Reisekostenabrechnung erledigen, Störungen und Defekte melden, Passwörter zurücksetzen oder auch Fragen bezüglich der letzten Gehaltsabrechnung stellen. Ebenso können sie der Personalabteilung bei der Rekrutierung von neuen Mitarbeitenden helfen, hier z.B. durch die Vergabe von Terminen für Vorstellungsgespräche oder die Beantwortung aufkommender Bewerberfragen.

Vorteile

Einen der größten Vorteile von digitalen Dialogsystemen stellt die zeit- und ortsunabhängige Verfügbarkeit und Erreichbarkeit dar. So können diverse Fragen und andere nutzerspezifische Anliegen parallel, zu jeder Zeit und an jedem Ort einfach und schnell beantwortet werden. Eine gezielte Navigation, Begleitung und Unterhaltung der Nutzenden innerhalb der Website stärkt die Kundenbindung und erhöht damit die Kundenzufriedenheit und User Experience (UX). Durch die Automatisierung sich wiederholender Prozesse steigt die Effizienz in fast allen Unternehmensbereichen – Ressourcen, Arbeitszeit und Personal können so eingespart und die Gesamtkosten reduziert werden. Mitarbeitenden ist es außerdem möglich sich komplexeren Anliegen zu widmen, Personalengpässe werden umgangen und vorher teils manuell aufgenommene Vorgänge können mit Hilfe einer Chatbot-Lösung in gleichbleibender Qualität dokumentiert und im Anschluss ausgewertet werden. Der Zugriff auf die digitalen Assistenten ist genauso einfach wie die Nutzung dieser, da ein Großteil der mobilen Endgeräte bereits mit verschiedenen Sprachassistenten zur Unterstützung des Nutzenden ausgestattet sind.

Herausforderungen und Nachteile

Die Anschaffung bzw. der Betrieb eines Chatbots sollte trotz all seiner Vorteile gut überlegt sein. So können bei Erstprogrammierung, Inbetriebnahme und späterer Anwendung hohe Servicekosten anfallen. Neben einer im Vorfeld notwendigen, umfangreichen Projektplanung, stellt auch das Erstellen und Anreichern der Wissensdatenbank einen hohen Zeitaufwand dar. Die Programmierung eines Chatbots sollte keinesfalls unterschätzt werden. Eine unausgereifte Codierung sowie veraltete oder ungepflegte Datenbanken können schnell zu falschen oder keinen Antworten führen. Resultierende Missverständnisse führen so schnell zu einer negativen User Experience (UX). Bei nicht KI unterstützten Dialogsystemen besteht außerdem das Problem der Endgültigkeit, da diese ihre Antworten ausschließlich aus der ihnen zu Grunde liegenden Wissensdatenbank ziehen. Um Datenmissbrauch vorzubeugen ist die Einhaltung des Datenschutzes sowie die Kontrolle der Speicherung und Verwendung von sensiblen Kundendaten äußerst wichtig. Die mittlerweile sehr effizienten und authentisch wirkenden Plauderroboter werden oft auch von Internetkriminellen genutzt, um z.B. personenbezogene Daten, Passwörter und ähnliches zu stehlen.

Chatbots sind wahre Multitalente. Durch ihre Effizienz und die zahlreichen Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten lassen sie sich flexibel in verschieden (Unternehmens-)bereichen einsetzen und erleichtern so den Alltag von Mitarbeitenden, als auch Nutzenden. Sie sind bequem erreichbar und einfach anwendbar. Trotz allem sollte man sich auch mit den einhergehenden Herausforderungen auseinandersetzen. Gerade beim Thema Datenschutz, Umgang mit personenbezogenen Daten und Datensicherheit gilt besondere Vorsicht.

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (o. J.): Exkurs: Social Bots und Chatbots. Online unter https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Informationen-und-Empfehlungen/Onlinekommunikation/Soziale-Netzwerke/Sichere-Verwendung/Exkurs-bots/social-bots.html [Abruf am 27.01.2025]

Digitalzentrum Berlin (2020): Wie funktioniert ein Chatbot und wann lohnt sich der Aufwand für kleine Unternehmen. Kurz erklärt. Video publiziert am 15.10.2020 auf YouTube. Online unter https://www.youtube.com/watch?v=4ks3RY6lSRQ [Abruf am 27.01.2025]

Kohne, Andreas u.a. (2020): Chatbots. Aufbau und Anwendungsmöglichkeiten von autonomen Sprachassistenten. Wiesbaden: Springer Vieweg

moinAI (o. J.): Chatbot Arten: Was sind die Vorteile & Nachteile?. Online unter https://www.moin.ai/chatbot-lexikon/natuerliches-sprachverstandnis-nlp-vs-gefuehrte-chat-dialoge [Abruf am 27.01.2025]

moinAI (o. J.): Die 13 besten Chatbot-Beispiele aus der Praxis. Online unter https://www.moin.ai/chatbot-lexikon/chatbot-beispiele [Abruf am 27.01.2025]

moinAI (o. J.): Regelbasierte Chatbots: Beispiele & Anwendungsmöglichkeiten. Online unter https://www.moin.ai/chatbot-lexikon/regelbasierte-chatbots [Abruf am 27.01.2025]

moinAI (o. J.): Was ist ein Chatbot?. Funktionen, Vorteile und Einsatzmöglichkeiten. Online unter https://www.moin.ai/was-ist-ein-chatbot [Abruf am 27.01.2025]

moinAI (o. J.): Was ist ein KI-Chatbot?. Definition, Vorteile, Funktion. Online unter https://www.moin.ai/chatbot-lexikon/ki-chatbots [Abruf am 27.01.2025]

Nagler, André (o. J.): Was ist ein Chatbot?. Funktionen, Vorteile und Einsatzmöglichkeiten. Online unter https://zukunftszentrum-sachsen.de/wissenspool/was-ist-ein-chatbot/ [Abruf am 27.01.2025]

Norddeutscher Rundfunk (2024): Chatbots in der Verwaltung. Wie Niedersachsens Städte KI nutzen. Zuletzt aktualisiert am 06.08.2024. Online unter https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Chatbots-in-der-Verwaltung-Wie-Niedersachsens-Staedte-KI-nutzen,ki300.html [Abruf am 27.01.2025]

Technikum Wien Academy (o. J.): Was sind Chatbots?. Online unter https://academy.technikum-wien.at/ratgeber/was-sind-chatbots/ [Abruf am 27.01.2025]

Open Access: Die Revolution des Publizierens

Freier Zugang zu Publikationen durch das Internet ist eine Reform des Publizierens
Darstellung des freien Zugangs zu Publikationen

Open Access als Reform des Publizierens ist gerade in den wissenschaftlichen Bibliotheken eines der großen Themen, aber was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Dieser Beitrag liefert eine Einführung und geht auf die Geschichte, die unterschiedlichen Arten, die Finanzierung sowie auf die Vor- und Nachteile ein.

Inhaltsverzeichnis

Unter Open Access (kurz OA) wird der kostenfreie Zugang zur wissenschaftlichen Literatur im öffentlichen Internet verstanden. Open Access ist ein Teilbereich aus dem Modell Open Science. Open Science hat das Ziel, alle wissenschaftlichen Prozesse offen und transparent zu gestalten. Zu den acht Bereichen gehören Open Data, Open Educational Ressources, Open Notebook, Open Peer Review, Open Source, Scientific Social Networks, Citizen Science und Open Access. 

Spätestens seit den 1990er-Jahren bahnte sich eine Reform des Publizierens im wissenschaftlichen Bereich an. Durch die jährlich steigenden Kosten der Finanzierung der Zeitschriften und später mit der Digitalisierung der Zeitschriftenlizenzen wurde die ausreichende Versorgung der Wissenschaftler*innen mit wichtiger Literatur u. a. durch die Bibliotheken immer schwieriger. Hinzu kam die damit verbundene Zuspitzung der Doppelfinanzierung der Forschungsergebnisse, da Hochschuleinrichtungen oder Institute für die Forschung finanzielle Mittel zur Verfügung stellen und gleichzeitig für den Bezug der Publikationen dieser Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Verlagen zahlen. Zudem kam die intransparente Preispolitik der großen Verlage, die einen Wandel regelrecht befeuerten.

Hier werden die Meilensteine aufgeführt:

Es gibt unterschiedliche Wege OA zu publizieren, demnach wird zwischen dem Goldenen, Grünen, Platin bzw. Diamant und Hybriden Weg unterschieden.

Der Goldene Weg

Unter der Erstveröffentlichung eines wissenschaftlichen Werks oder eines wissenschaftlichen Beitrags in einer OA-Publikation wird der goldene Weg verstanden. Dabei werden die gleichen qualitativen Standards wie in einer konventionellen Veröffentlichung eingehalten. Die Nutzenden haben demnach dauerhaft gesicherten kostenfreien Zugang zur Originalveröffentlichung. Für Autor*innen fallen Article Processing Charges (kurz APCs) an.

Der Platin/Diamant Weg

Platin/Diamant Open Access bedeutet die gleichen Standards des OA-Goldes einzuhalten, jedoch ohne das Gebühren für Autor*innen noch für die Nutzenden anfallen.

Der Grüne Weg

Der grüne Weg (auch self archiving genannt) beschreibt die Zweitveröffentlichung oder auch Parallelveröffentlichung bereits veröffentlichter Beiträge nach einer bestimmten Frist in OA. Rechtliche Vereinbarungen mit den Verlagen gilt es zu beachten. Dabei gibt es drei Arten des grünen OA.

Die Zweitveröffentlichung erfolgt auf eigener Initiative der Autor*innen auf institutionellen Repositorien (beispielsweise auf einem Dokumentenserver einer Hochschule), disziplinären Repositorien (hier werden die Veröffentlichungen thematisch geordnet) oder die Veröffentlichung auf der eigenen Webseite der Autor*innen.

Der Hybride Weg

Die Publikation wird zunächst konventionell bei einer Closed-Access-Zeitschrift veröffentlicht. Durch Zahlung einer zusätzlichen Publikationsgebühr wird diese für die kostenfreie Nutzung freigeschaltet. Dabei kommt es zu einer sog. „Doppelfinanzierung“.

Um die Unterschiede in der Finanzierung der OA-Publikationen zu konventionellen Publikationen zu verstehen, wird zunächst der Prozess des konventionellen Publizierens erläutert.

Hierbei gilt es zu beachten, dass Forschende die wissenschaftlichen Beiträge publizieren. Diese werden meist aus öffentlichen Geldern bezahlt, da sie an Hochschulen oder anderen öffentlichen Einrichtungen angestellt sind.

Das Peer-Review-Verfahren, welches zur Qualitätssicherung dient, übernehmen Wissenschaftler*innen ohne Entlohnung. Bibliotheken finanzieren (öffentliche Gelder) die letztendliche Erwerbung der Beiträge von Zeitschriften oder auch Bücher der Wissenschaftler*innen, damit sie den Angehörigen der Einrichtung zur Verfügung stehen.

Auch Open Access Publikationen müssen finanziert werden. Autor*innen sind meist dazu angehalten, den Verlagen Article Proccesing Charges (APCs) zu bezahlen.

Um den Wandel der Strukturen bei der Finanzierung vom Subskriptions- zum Open-Access-Modell und dadurch eine Reform des Publizierens zu ermöglichen, beschloss die DFG bereits 2009 ein zunächst auf fünf Jahren begrenztes Förderprogramm “Open Access Publizieren”. Dieses Förderprogramm stellte einige Bedingungen für die Förderung auf und war lediglich für wissenschaftliche Hochschulen bestimmt. 

Förderorganisationen und Forschungseinrichtungen tragen seit Mitte der 2010er-Jahre dazu bei, dass APCs übernommen werden können. Bibliotheken stellen mithilfe von Publikationsfonds Gelder für die Finanzierung der APCs zur Verfügung oder sie schließen vorab Rahmenverträge mit Verlagen ab, sodass die finanzielle Abwicklung direkt mit den Bibliotheken erfolgt. Autor*innen sollten vor Beantragung einer Erstattung der Publikationskosten vorab die Förderkriterien wie maximale Erstattungshöhe, Bedingung eines Peer-Review-Verfahrens oder die Bedingung keine Veröffentlichung in einer hybriden OA-Zeitschrift beachten.

Beauftragt von der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen gründete die Hochschulrektorenkonferenz 2014 das Projekt DEAL. Ziel dieses Projekts ist die Verhandlung von bundesweiten Lizenzverträgen mit den größten Zeitschriftenverlagen. Große Verlage wie Springer und Wiley sind daran beteiligt. Dies dient dazu, eine offene Verbreitung von Forschungsergebnissen in Deutschland zu ermöglichen.

Die Vorteile sind bei Open Access schnell zu erkennen. Wissenschaftler*innen erreichen durch die OA-Publikation eine hohe Reichweite und können so schneller bewertet und zitiert werden. Ein Großteil der Studien bestätigen diesen Zitationsvorteil. Ebenso für finanzschwächere Einrichtungen oder sogar Länder bietet der verbesserte Wissenstransfer große Vorteile. Sie profitieren von frei zugänglicher wissenschaftlicher Literatur, wodurch wichtige Forschungsergebnisse direkt zur Verfügung stehen. Die Befürchtung, dass die Qualität wissenschaftlicher Publikationen durch Open-Access-Veröffentlichungen leiden würde, konnte nicht bestätigt werden. Im Vergleich zu zugangsbeschränkter Literatur konnte eine deutlich höhere Nutzung der Open Access-Publikationen aufgrund ihrer größeren Reichweite und somit die positiven Auswirkungen der Reform des Publizierens nachgewiesen werden.

Nicht als Nachteil, sondern eher als Hürde wird der Wandel von der konventionellen Erwerbung hin zur Finanzierung der OA-Publikationen wahrgenommen. Für Bibliotheken stellt dies zunächst einen wesentlichen Mehraufwand dar. Wie bei jeder maßgeblichen Änderung müssen Bibliotheken erst die nötigen Fähigkeiten entwickeln, um die OA-Finanzierung reibungslos abzuwickeln. Insbesondere wissenschaftliche Bibliotheken gestalten aktiv den Wandel des Publizierens mit.

Berliner Erklärung (2003): https://openaccess.mpg.de/68053/Berliner_Erklaerung_dt_Version_07-2006.pdf

Budapest Open Access Initiative (2001): https://www.budapestopenaccessinitiative.org/

DEAL (2024): https://deal-konsortium.de/ueber-deal

DFG (2025): Was ist Open Access?. https://www.dfg.de/de/foerderung/foerdermoeglichkeiten/programme/infrastruktur/lis/open-access/was-ist-open-access

Eppelin, Anita; Pampel, Heinz; Kaczmirek, Lars (2012): Umgang mit Open-Access-Publikationsgebühren – die Situation in Deutschland in 2010. GMS Medizin – Bibliothek – Information 2012, Vol. 1, S. 1-12. https://www.egms.de/static/pdf/journals/mbi/2012-12/mbi000240.pdf

Fournier & Weihberg (2013): Das Förderprogramm „Open Access Publizieren“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft zum Aufbau von Publikationsfonds an wissenschaftlichen Hochschulen in Deutschland. Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie, 60(5), pp. 236–243. http://dx.doi.org/10.3196/186429501360528

Gantert, Klaus; Lauber-Reymann, Margrit (2023): Informationsressourcen. https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110769043/html?lang=de#contents

Herb; Pampel (2023): Grundlagen der Informationswissenschaft. https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783110769043/html?lang=de#contents

Jahn, N., & Tullney, M. (2016): A study of institutional spending on open access publication fees in Germany. PeerJ, 4, e2323. https://peerj.com/articles/2323/

Open-Access.network (2024): Geschichte des Open Acces. https://open-access.network/informieren/open-access-grundlagen/geschichte-des-open-access

Pampel, Heinz; Tullney, Marco (2017): Open-Access-Publikationsfonds. Praxishandbuch Open Access. S.162-172. https://doi.org/10.1515/9783110494068-019

Wie ChatGPT die Bibliothek der Zukunft neu sortiert

ChatGPT in Daten-Bibliothek
Abb1: Beitragsbild Quelle: Pixabay

ChatGPT ist dem Großteil der Bevölkerung mittlerweile ein Begriff. Besonders im Studium und Schule wird dieses Tool oft diskutiert. Im Bildungsbereich, zu dem auch Bibliotheken zählen, wird die KI teilweise als Bedrohung des eigenen Arbeitsplatzes gesehen. Die Zukunft wird für die Einrichtungen wohl durch ChatGPT neu sortiert. So ist beispielsweise die Überschrift dieses Beitrags auch mithilfe von ChatGPT generiert (siehe Homepage/Social Media).

Was steckt hinter ChatGPT? Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für Bibliotheken für die Zukunft? Vor welchen Herausforderungen und Veränderung stellt uns diese Künstliche Intelligenz? Einige Antworten zu diesen Fragen finden Sie in diesem Blogbeitrag.

Was verbirgt sich hinter ChatGPT?

Beginnen wir mit der grundsätzlichen Frage, wie ChatGPT überhaupt funktioniert. ChatGPT ist ein sogenanntes Large Language Model (LLM) auf Deutsch „großes Sprachmodell“. Diese Sprachmodelle trainieren mit einer großen Menge an Daten und haben als Ziel die menschliche Sprache zu verstehen und auch generieren zu können. Des Weiteren können sie sich Kontexte erschließen, um passende Antworten zu geben. Hier wird im Vordergrund ein Chatbot verwendet für die Interaktion zwischen Nutzenden und dem LLM. Allerdings ist zu beachten, dass sich nicht hinter jedem Chatbot gleich ein Sprachmodell verbirgt. Zur besseren Verdeutlichung der Entwicklung eines Large Language Models betrachten Sie Abb. 2.

Funktionsweise eines Large Language Modells
Abb2: Funktionsweise eines Large Language Modells Quelle: in Adobe Express selbst erstellt

Natürlich ist ChatGPT nicht das einzige LLM. Es gibt von mehreren Anbietern bereits ähnliche Modelle bspw. Google Gemini oder Microsoft Copilot, etc.. Hier können Sie sich selbst ein Bild von einer Auswahl von verschiedenen Modelle machen:

Dadurch das ChatGPT eines der größten, bekanntesten und beliebtesten Tools der Sprachmodelle ist, wird sich in diesem Beitrag darauf fokusiert. ChatGPT wurde von der Firma OpenAI entwickelt und ist seit November 2022 veröffentlicht. Es gibt hierbei eine kostenlose sowie eine kostenpflichtige Version.

Neusortierung für Bibliotheken

Bei der Einführung von ChatGPT kam ein Umschwung in der Bildungswelt an. Durch einen kurzen Prompt (Abfrage bei ChatGPT) konnten Programme, Argumentationen und sogar ganze Hausarbeiten in wenigen Sekunden geschrieben werden. Für viele die im Bildungsbereich tätig sind, war es eine Art Bedrohung für die Zukunft. Prüfungsanforderungen wurden an Hochschulen und Universitäten geändert, andere versuchten mit der Künstlichen Intelligenz (KI) zusammen zu arbeiten. Durch den Auftrag der Lehre & Bildung betrifft dieser Bereich auch die Bibliotheken, welche die Verantwortung haben, Informationen aufzubereiten und bereitzustellen.

Zusätzlich bieten Bibliotheken eine Chance für Bildungsgleichheit. Es gibt einige Menschen, die immer noch nie das Internet genutzt haben, z. B. auch aus finanziellen Gründen. Dadurch können soziale Ungleichheiten entstehen insbesondere durch die voranschreitende Digitalisierung und Nutzung der KI. Bibliothek sollten daher Angebote, wie ChatGPT auch zur allgemeinen Nutzung bereitstellen und dazu aufklären.

Einsatzmöglichkeiten von ChatGPT in Bibliotheken

  • Schlagwortvergabe:

Ein Bestandteil der bibliothekarischen Arbeit ist die Verschlagwortung von Büchern, Artikeln, etc. Diese Arbeit nimmt einige Zeit in Anspruch, da man sich mit den Werken teilweise länger befassen muss, um zu verstehen um was es sich handelt. In ChatGPT kann man Abstracts, Klappentexte oder Beiträge einfügen und die darin beinhaltet Themen sich ausgeben lassen. Dadurch kann man schneller Schlagworte für die verschiedenen Titel vergeben.

  • Kundensupport:

Das Tool kann eingesetzt werden, um beispielsweise Standardmails zu beantworten oder auch auf Beschwerden zu reagieren. Durch eine gute Eingabe muss man das Ergebnis von ChatGPT nur noch einmal durchlesen und ggf. anpassen. ChatGPT tendiert oft zum Übertreiben bei Freundlichkeit, dies kann man durch einen Folge-Prompt wie bspw. „Schreibe den Text sachlicher“ schnell korrigieren.

  • Homepage/Social Media:

Das Ausarbeiten von neuen Texten für die Social Media Kanäle oder die eigene Homepage, kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Das LLM-Modell kann durch eine Prompt-Eingabe, schnell einen passenden Text zu beliebigen Themen generieren. Dadurch kann man sich Zeit sparen und muss ggf. nur ein wenig den Text überarbeiten. So ist zum Beispiel auch die Überschrift dieses Beitrages mittels ChatGPT erstellt.

Man kann über die kostenpflichtige Version von ChatGPT auch Bilder generieren lassen. Leider muss man hier beachten, dass die KI doch etwas klischeehaft verhält. Bei der Bildgeneriung von Bibliothekar:innen wird bspw. immer eine Brille aufgesetzt und trotz eines Folge-Prompts „ohne Brille“ erhält man nur eine andere Form der Brille anstatt ohne.

  • Übersetzungen:

Durch das breite Publikum in Bibliotheken kann man durch ChatGPT auch mögliche Sprachbarrieren überwinden. So kann man jegliche Texte für Websites, E-Mails oder Aushänge schnell über ChatGPT zeitgleich in mehreren Sprachen übersetzen. Man muss nur die deutschsprachige Version eingeben mit einem Vermerk der gewünschten Sprachen. So können auch Mitarbeitende mit Unsicherheiten in der jeweiligen Sprache bspw. E-Mails ohne Probleme verfassen.

Schulungen für die Nutzung von ChatGPT

Ob man nun ChatGPT in den Arbeitsalltag integrieren möchte oder nicht, unausweichlich ist die Einführung von Schulungen in diesem Bereich. In vielen Bibliotheken werden bereits Kurse im Umgang mit ChatGPT angeboten. Ob die Erklärung zum richtigen Prompt schreiben oder kritische Bewertung der Ausgaben des Sprachmodells. Wichtig ist zu verstehen das KI ein wichtiger Bestandteil der Informationskompetenz ist, welche Bibliotheken fördern sollen und müssen. Des Weiteren können Bibliotheken Schulungen bzgl. wissenschaftlichen Schreibens mit ChatGPT anbieten, indem aber auch die Grenzen des LLMs aufgezeigt werden. Beispielsweise hat die UB Leipzig bereits ein Online-Tutorial für die richtige Literaturrecherche mit ChatGPT veröffentlicht. Da vorallem bei Literatur die KI gerne halluziniert.

Zum Schluss sollte man anmerken, dass Bibliotheken an ChatGPT nicht vorbei kommen werden. Es ist wichtig die KI nicht einfach zu ignorieren sondern darauf zu reagieren. Jetzt ist noch ein Zeitpunkt um bei Nutzer:innen einzuhacken, da viele einen ähnlichen Wissensstand im Umgang mit den neuen Tools haben.

Probieren Sie ChatGPT doch einfach einmal selbst aus oder informieren Sie sich hier über mehr Möglichkeiten für Bibliotheken!

https://www.b-u-b.de/nachrichten/digitales/post/wie-chatgpt-bibliotheken-veraendert

https://datasolut.com/was-ist-ein-large-language-model

https://www.ibm.com/de-de/topics/large-language-models

https://www.ionos.de/digitalguide/server/knowhow/large-language-model

https://karrierewelt.golem.de/blogs/karriere-ratgeber/chatbots-im-vergleich-chatgpt-vs-copilot-vs-gemini

https://www.iese.fraunhofer.de/blog/large-language-models-ki-sprachmodelle/

Kann KI gegen Einsamkeit helfen

rechte menschliche Hand und linke Roboterhand formen zusammen ein Herz

Einsamkeit
[ˈaɪ̯nzaːmkaɪ̯t] Substantiv, feminin

Subjektives Gefühl des unfreiwilligen inneren Getrenntseins von sozialen Bindungen und Gebrauchtwerdens.

Informationsgrafik: Rate der weltweiten Einsamkeit bei Älteren 25 Prozent, bei Heranwachsenden 5-15 Prozent

So könnte eine kurze und prägnante Definition von Einsamkeit aussehen. Unterschiedlich definiert werden in der Psychologie Einsamkeit und allein sein. Allein sein ist ein selbst gewählter Zustand, um sich selbst zu resetten oder den Pause-Knopf ganz bewusst zu drücken. Dagegen Einsamkeit kann nicht so einfach wieder verlassen werden. Hier ist das Fehlen von sozialer Interaktion nicht selbst gewählt. Studien der World Health Organisation (WHO) gehen davon aus, dass eine von vier älteren Erwachsenen soziale Isolation erleben, bei Heranwachsenden sei die Zahl mit 5 bis 15% ebenfalls nicht zu unterschätzen.

Die WHO gründete gar eine Kommission für soziale Kontakte, um die Bedeutung zwischenmenschlicher Beziehungen für die Gesundheit in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit zu rücken.

Voraussetzung für das digitale Miteinander

Doch wie treten wir miteinander in Kontakt in der digitalisierten Welt, in der wir heute leben? Dating-Apps sind längst auf vielen Smartphones installiert. Doch es locken auch Apps, in denen man sich seinen Gesprächspartner selbst generieren kann und mittels künstlicher Intelligenz und dem Einsatz von Large Language Modellen kommuniziert. In den Apps lässt es sich realisieren, das virtuelle Gegenüber auch optisch nach eigenen Wünschen zusammenzustellen. Je nach Abovertrag wird ermöglicht, mit dem Chatbot neben dem Austausch von Textnachrichten zu telefonieren oder durch Virtual Realitiy-Brillen sogar zu „begegnen“. Ist dies ein vollwertiger Ersatz für zwischenmenschliche Beziehungen und hilft so den Einsamen aus ihrer Lage? Die KI ist durch ihre Fähigkeit zur Sentimentanalyse inzwischen dazu imstande, menschlichen Emotionen zu erkennen, zu analysieren und nachzuahmen. So werden eigene Gefühle simuliert.

KI bietet Chancen gegen Einsamkeit

Und scheinbar fällt es Menschen nicht sehr schwer, sich auf diese virtuelle Gefühlswelt einzulassen. Es wird immer wieder beobachtet, dass die Menschen zur Anthropomorphisierung neigen – dem Zuschreiben menschlicher Eigenschaften für Nichtmenschliches wie etwa technischen Geräten. Agiert das Gerät dann auch noch menschenähnlich, wird das virtuelle Gegenüber als Lebewesen wahrgenommen. Auf Nutzerseite können sich schnell positive Gefühle einstellen. Zumal der KI alles anvertraut werden kann.

Auch ist es möglich, an der KI seine Kompetenzen für eine reale Beziehung zu erweitern und einzuüben. Und sie stillt schließlich auch die Bedürfnisse nach einem Gesprächspartner, vielleicht sogar einem Freund. Dass sie lieber mit einer künstlichen Stimme spricht als mit niemanden, das berichtet eine der App-Anwenderinnen. Selbst wenn es im Bewusstsein ist, dass es sich um eine virtuelle Entität handelt, das Einsamkeitsgefühl sei kurz vergessen.

Kulturelle Normen

Doch die westliche Welt ist noch nicht so weit, derartige Beziehungen anzuerkennen. Kulturelle Normen ändern sich nur langsam. Im asiatischen Raum ist man bereits weiter. Dort ist es akzeptiert, einen Avatar zu heiraten und eine Beziehung mit Robotern oder Hologrammen zu führen. Daher wird möglicherweise auch hier ein Bewusstsein dafür geschaffen, den veränderten Status von Beziehungen zu KI oder Robotern schrittweise anzuerkennen.

Risiken bei der Anwendung von KI gegen Einsamkeit

Der deutsche Ethikrat weist darauf hin, dass KI die Entfaltungsmöglichkeiten von Menschen nur erweitern sollte und diese nicht verringern darf, eine KI darf den Menschen nicht ersetzen. Durch die stete Ansprechbarkeit kann es vorkommen, dass so eher die Unselbstständigkeit gefördert wird, indem man Entscheidungen an die KI delegiert. Darüber hinaus ist es auch möglich, dass Menschen durch Beziehungen mit einer KI verlernen, Beziehungen mit anderen Menschen zu führen. Eine weitere Problematik ist die Ich-Fixierung solcher Beziehungen: Da die KI das Verhaltensrepertoire der Nutzenden spiegelt, bleibt die Bindung einseitig und egozentriert – im Gegensatz zu einer Beziehung mit einem echten, seelenvollen Gegenüber. Und auch das Körperliche kommt in solchen Konstrukten zu kurz. Echte Nähe, Berührungen, Blicke, Intimität – das alles lässt sich im Moment noch nicht zufriedenstellend simulieren. Dies kann dazu führen, dass das Bedürfnis nach echter Nähe unerfüllt bleibt, wodurch sich die Einsamkeit der Nutzenden sogar verstärken kann.

Ausblick

Doch so weit muss man teils gar nicht gehen und sich aktiv eine App oder einen Roboter anschaffen, um die Einsamkeit zu bekämpfen. Smartphones haben schon seit langem mit Siri oder mit dem Google Assistant („Hey Google“) smarte Helfer verbaut. Ebenso wird die Sprachassistenz Amazon Alexa oft unbewusst als ein Gesprächspartner genutzt. Mit den neusten Google Phones fällt die KI Gemini in die Hände der Nutzenden. Die Hersteller geben das Gefühl, mit jedem Problem an die KI herantreten zu können und diese immer eine Lösung bereithält. Sei es zur Hilfe bei der Autoreparatur oder um sich einfach über seinen Tag zu unterhalten – die Hersteller suggerieren Antworten in allen Lebenslagen wie dieses Werbevideo eindrücklich zeigt.

Fazit

Die KI kann menschlichen Kontakt (noch) nicht ersetzen und so gänzlich gegen Einsamkeit helfen. Sie bietet aber Möglichkeiten, Einsamkeit punktuell zu mindern und soziale Kompetenzen zu trainieren. Sie fungiert als Brückenbauer zwischen der digitalen und der realen Welt, jedoch bleibt echte Nähe mit all ihren Facetten unersetzlich. Eine Ausgewogenheit ist entscheidend, um die Chancen der Technologie zu gebrauchen, ohne den Anschluss an echte zwischenmenschliche Beziehungen zu verlieren.

Referenzen:

Die Bedeutung von Fact-Checking für die Stärkung der Informationskompetenz

Fact-Checking und Informationskompetenz

Die Verbreitung von Fehl- und Desinformation im Internet nimmt immer mehr zu. Sowohl in sozialen Netzwerken als auch auf Seiten die sich als News-Seiten tarnen. Daher steigt die Relevanz von Fact-Checking und auch die Nachfrage nach verlässlichen Quellen immer weiter an. Fact-checking ist als Schlüsselbereich von Informationskompetenz immer wichtiger. Doch was bedeuten Informationskompetenz und Fact-Checking überhaupt?

Was bedeutet Informationskompetenz?
Was bedeutet Fact-Checking?
Fact-Checking, but how?
Fact-Checking als Schlüsselbereich von Informationskompetenz

Eine eindeutige Definition zur Informationskompetenz kann es laut Sühl-Stromenger gar nicht geben, jedoch einen Konsens was Informationskompetenz beinhaltet.1 Dazu zählt unter anderem die Beherrschung basaler Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben, sowie Informationstechnisches Knowhow, aber auch eine grundlegende Orientierungsfähigkeit in Wissensräumen wie zum Beispiel Bibliotheken, Massenmedien und dem Internet. Vor allem aber ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten des selbstständigen Suchens, Auffindens, kritischen Auswählens und Verarbeitens von Informationen und Medien. Denn dadurch schafft Informationskompetenz ein Bewusstsein für einen gesellschaftlichen, politischen rechtlichen und ethischen Umgang mit Informationen.

In seiner ursprünglichen Bedeutung waren Fact Checker Journalisten die interne Berichte und Artikel ihrer Kolleg*innen vor deren Veröffentlichung gelesen, korrigiert und auf Fakten überprüft haben. Im heutigen Zeitalter ist damit jedoch viel mehr die Überprüfung von politischen Statements, Artikeln oder ähnlichem im Internet gemeint. Doch nicht nur dort, auch innerhalb klassischer Medien, haben sich sowohl Falsch- als auch Desinformationen gerade zu etabliert.

Dabei bezeichnen Falschinformationen das unabsichtliche Verbreiten falscher Informationen, Desinformation hingegen bezeichnet das absichtliche und bewusste Verbreiten von Unwahrheiten. Man denke nur an einige Politiker*innen die ihre Haltung zum menschengemachten Klimawandel in verschiedenen Diskussionsrunden im Fernsehen zur Schau stellen. Leider werden haarsträubende Aussagen wie die im Jahr 2017 von Beatrix von Storch in einem Interview mit Tilo Jung getätigte nicht im Beitrag oder live korrigiert und richtig eingeordnet.²

Um gegen falsche Aussagen vorzugehen, seien Sie aus Unwissenheit, oder gar wider besseren Wissens getroffen, müssen Menschen selber in der Lage sein solche Aussagen zu überprüfen. Diese Überprüfung ist das heutige Fact-Checking.

Darstellung warum Fact-Checking ein SChlüsselbereich von Informationskompetenz ist

Um digitale Dokumente, egal ob in Video-, Audio-, oder Textform, zu auf Ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen muss man folgende Punkte beachten:

  • Was ist die Herkunft des Dokuments? Handelt es sich hierbei um ein Original oder wurde es bereits bearbeitet?³
  • Was ist die Quelle des Dokuments? Wer hat es erstellt?³
  • Zu welchem Zeitpunkt ist das Dokument erstellt worden?³
  • Wo wurden die Video-, Tonaufnahmen oder der Text erstellt?³
  • Warum wurde dieses Dokument erstellt? Gab es dazu eine bestimmte Motivation oder möglicherweise eine Agenda? Und warum habe ich dieses Dokument erhalten?³

Hinzu kommt die Herausforderung die Qualität von Studien zu beurteilen. Denn gerne werden Unwahrheiten mit Studien angeblich belegt, deren Qualität jedoch stark zu wünschen übriglässt. Dabei sind immer einige Grundregeln zu beachten, wie zum Beispiel: Wie groß ist die Testgruppe? Gibt es eine Kontrollgruppe? Fand das Ganze mit einer Verblindung und im besten Fall Doppelverblindung statt? Gab es ein Peer-Review-Verfahren? Gerade zu diesem Thema gibt es mittlerweile viel Aufklärung. Unter anderem den Podcast Quarks Science Cops vom WDR. In der verlinkten Folge geht es sogar um eine der ersten und größten Desinformationskampagnen der Welt, initiiert von der Tabakindustrie4.

Folge in Spotify öffnen

Es gibt auch mehrere Websites die sich dem Entlarven von Fehl- und Desinformation gewidmet haben. Zum Beispiel Mimikama, Correctiv oder den Faktenfuchs, um die im deutschsprachigen Raum gängigsten zu nennen. Dort sind Faktenchecks zu aktuellen Themen und auch zu Trends auf Social Media zu finden, aber auch die Aufarbeitung älterer Fälle sind dort archiviert.

Wir befinden uns im Zeitalter der Informationen. Ein Großteil der Bevölkerung hat Zugriff auf verschiedenste Informationen, zumindest in der Theorie. Dabei sind die Möglichkeiten jeder Person abhängig von dem Zugang zu Technologie. Ist dieser jedoch gegeben kann eine wahre Flut an Information auf einem Einstürzen. Um darin nicht zu ertrinken ist es wichtig die Qualität der Informationen einschätzen zu können, und dadurch zu erkennen welche wahr und welche falsch sind.

Sowohl politische Parteien und als auch andere globale Player streuen mittlerweile bewusst Falschinformationen, um den Ausgang wichtiger Ereignisse zu ihrem Vorteil entscheiden zu können. In beiden vergangenen US-Wahlen wurde Russland der Versuch vorgeworfen durch gezielte PR über den Sender RT Einfluss auf die Wahlen genommen zu haben.5 Aber auch gezielte Desinformationen durch gesteuerte Bots im Internet sind ein Werkzeug um auf wichtige politische Ereignisse wie zum Beispiel die US-Wahlen Einfluss zu nehmen.6

Daher ist es wichtig Informationen zu prüfen, um eine vernünftige Grundlage für die eigenen Entscheidungen zu haben. Überspitzt formuliert könnte man behaupten es ist essenziell für die Zukunft der Menschheit. Nur eine Gesellschaft mit einer hohen Informationskompetenz kann den Durchblick bewahren und vernunftgetriebene Entscheidungen treffen.

Quellen:

  1. Handbuch Informationskompetenz – herausgegeben von Wilfried Sühl-Strohmenger ; unter Mitwirkung von Martina Straub – 2. Auflage. – Berlin, Boston: De Gruyter Saur, [2016]
  2. AFD macht die Sonne Verantwortlich – https://www.tagesschau.de/faktenfinder/weidel-klimawandel-101.html
  3. Journalistische Praxis: Digitale Recherche: Verifikation und Fact Checking – Peter Welchering – 1st ed. 2020. – Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, Imprint: Springer VS, 2020
  4. Quarks Science Cops – Der Fall Tabakindustrie: Durch und durch böse – https://open.spotify.com/episode/0XNl5qpJQYlcoMaw98C6TS?si=HRGsuUz_Qay51HHtVqgBlQ
  5. USA werfen Russland Wahleinmischung vor – https://www.zdf.de/nachrichten/politik/ausland/deep-fake-russland-usa-wahl-100.html
  6. Tiefe Einblicke in Putins Lügenmaschine – https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/russland-propaganda-fakenews-sda-deutschland-100.html

iBorderCtrl: Künstliche Intelligenz an europäischen Grenzübergängen

Abbildung 1: Gesichtserkennung, Quelle: IUK Fraunhofer

iBorderCtrl war ein von der EU finanziertes Forschungsprojekt, welches von 2016 bis 2019 an den Grenzübergängen in Griechenland, Ungarn und Lettland getestet wurde (vgl. Stoklas 2021, S. 05289) . Es untersuchte mögliche Vorteile einer Einreise in die EU durch Interviews mit einem KI-Grenzbeamten.

Am Grenzübergang traf der Einreisende dann auf einen Avatar eines KI-Grenzbeamten auf einem Terminal, welcher an das Geschlecht, an die Ethnie und die Sprache der Person angepasst werden konnte, um eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen (vgl. O’Shea 2018). Der Einreisende sollte mit diesem Avatar dann ein Interview durchführen, in dem er Angaben über persönliche Daten und Einreisegrund angeben musste. Während dieses Interviews wurde das Gesicht des Befragten von mehreren Kameras gefilmt und von einer künstlichen Intelligenz ausgewertet. Hier wurde insbesondere ein Augenmerk auf verdächtige Mimik gelegt. Es kam in der Tat gar nicht darauf an, was in dem Interview besprochen wurde, sondern lediglich darauf, wie sich der Interviewte verhielt und bewegte (vgl. Korte 2021, S. 05531 u. Ibold 2024, S. 10).

Diese Auswertung von Mikrogesten fand durch ein sogenanntes Automatic Deception Detection System – ADDS statt. Zudem wurden Reisedokumente automatisch auf ihre Echtheit überprüft (Document Authenticity Analytics Tool – DAAT). All diese Informationen wurden zusammengeführt und daraus ein Risikowert ermittelt (Risk Based Assessment Tool – RBAT), welcher dann einem realen Grenzbeamten in einem Computersystem vorlag (vgl. Stoklas 2021, S. 05289 und Sánchez-Monedero 2020). Anhand dieses Werts, einem Score, konnte der Grenzbeamte sodann die Entscheidung über Einreise oder Einreiseverbot fällen. Die letztendliche Entscheidung wurde also nicht durch die künstliche Intelligenz selbst getroffen, sondern durch einen Menschen.

Anhang 1: iBorderCTRL, Quelle: Youtube / euronews

Evaluation

Das Projekt wurde 2019 abgeschlossen und anschließend evaluiert. Es wurde als erfolgreich eingestuft, da es seine Hauptziele erreichte (vgl. Cordis 2024). Es wurde in der Evaluation angemerkt, dass viele der Funktionen in die von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Entry Exit- und European Travel Information and Authorisation Systeme integriert werden sollen, um die Grenzkontrollverfahren zu verbessern.

Ethische Betrachtung

Neben rechtlichen und administrativen Punkten, sollte auch über die ethischen Komponenten solch eines Projekts nachgedacht werden. Das geplante Interview mit einem virtuellen Polizei-Avatar, bei dem Lügendetektion zum Einsatz kommt, stellt aus dieser Sicht eine besondere Herausforderung dar und es ergeben sich ethische und verfassungsrechtliche Herausforderungen. Die Interaktion mit einer Künstlichen Intelligenz kann Unbehagen auslösen und die Einhaltung der Menschenwürde durch ein empathieloses Computersystem ist in stressbehafteten Situationen wie Grenzkontrollen besonders schwierig. Zudem muss sichergestellt werden, dass keine falschen Ergebnisse aufgrund von Verunsicherung der Betroffenen produziert werden.

Schlussfolgerung

Automatisierte Einzelentscheidungen, die nachteilige Rechtsfolgen haben, unterliegen besonderen Regelungen. Das iBorderCtrl-System trifft zwar keine Entscheidung über eine Zurückweisung, informiert aber über das Risiko eines Reisenden. Aufgrund der möglichen Konsequenzen sind zusätzliche Schutzmaßnahmen erforderlich. Ein vollautomatisiertes System ist daher sowohl aus menschenrechtlicher als auch aus datenschutzrechtlicher Sicht problematisch. Fälle, die zu einem Treffer führen, sollten durch einen Menschen überprüft und das System durch eine unabhängige Ethik-Kommission evaluiert werden.

Quellenangaben

Cordis (2024): Periodic Reporting for period 2 – iBorderCtrl (Intelligent Portable Border Control System). Online unter https://cordis.europa.eu/project/id/700626/reporting [Abruf am 30.12.2024]

Ibold, Victoria (2024): Künstliche Intelligenz im Sicherheitsrecht – Begründungsgebot quo vadis? In: Zeitschrift für das gesamte Sicherheitsrecht, H. 1, S. 10.

Korte, Kai (2021): EU-Parlament: Für ein Verbot der automatisierten Gesichtserkennung. In: ZD-Aktuell, H. 19, S. 05531.

O’Shea, J.; Crockett, K.; Khan, W. (2018): Intelligent Deception Detection through Machine Based Interviewing. In: International Joint Conference on Neural Networks (IJCNN), Online unter https://doi.org/10.1109/IJCNN.2018.8489392 [Abruf am 26.12.2024]

Sánchez-Monedero, J.; Dencik, L. (2020): The politics of deceptive borders: ‘biomarkers of deceit’ and the case of iBorderCtrl. In: Information, Communication & Society, Jg. 25, H.3, S. 413 – 430. Online unter https://doi.org/10.1080/1369118X.2020.1792530 [Abruf am 23.12.2024]

Stoklas, Jonathan (2018): Bessere Grenzkontrollen durch Künstliche Intelligenz. In: ZD-Aktuell, H. 19, S. 06363

Stoklas, Jonathan (2021): Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei Grenzkontrollen: Pilotprojekte der EU. In: ZD-Aktuell, H. 19, S. 05289

Bild- und Videoangaben

Abbildung 1: IUK Fraunhofer. Online unter https://www.iuk.fraunhofer.de/de/news-web/2024/neue-podcastfolge–nachgeforscht—die-zukunft-der-gesichtserken/jcr:content/stage/stageParsys/stage_slide/image.img.jpg/1716813262112/kv-podcast-gesichtserkennung.jpg [Abruf am 02.01.2025]

Anhang 1: Youtube / euronews. Online unter https://www.youtube.com/watch?v=_xfErbHoRG4 [Abruf am 05.01.2025]

Einsatz von Bee-Bots in öffentlichen Bibliotheken

Bild eines Lesesaals einer Bibliothek

Was sind Bee-Bots und wie passen sie in Veranstaltungskonzepte öffentlicher Bibliotheken?

1. Einleitung


In diesem Fachbeitrag möchte ich erläutern, worum es sich bei Bee-Bots handelt und wie sie in die Konzeptionen moderner, öffentlicher Bibliotheken passen. Weiterhin gebe ich Anregungen, wie sie in diesen genutzt und in Veranstaltungen integriert werden können.

Die rasante Entwicklung der Medienwelt fordert ständig neue Kompetenzen. Vor 15 Jahren lag der Fokus darauf, erste Smartphones zu bedienen und soziale Medien wie Facebook oder MySpace zu nutzen. Heute, Mitte der 2020er Jahre, stehen Kinder und Jugendliche vor der Herausforderung, künstliche Intelligenz, sowie Large Language Models und Programmiersprachen zu verstehen. Letzteres vergleicht der ARD-Journalist Richard Gutjahr mit dem Lernen von Latein:

Damit man in der digitalen Welt nicht nur passiv konsumieren, sondern auch aktiv mitgestalten kann, sollte unbedingt ein Grundverständnis für die „Sprache des 21. Jahrhunderts“ vorhanden sein, weil dieses Wissen als Grundlage dient, um digitale Technologien kompetent zu nutzen. Die frühzeitige Einführung von Kindern in die Welt der Roboter, Technik und Programmierung hat sich die niederländische Firma „B-Bot“ mit der Entwicklung des kleinen Bienenroboters „Bee-Bot“ auf die Fahne geschrieben. Dadurch soll ein Grundstein zum frühzeitigen Erlernen wichtiger Zukunftskompetenzen gelegt werden. (vgl. B-Bot.de 2025)

Abbildung 1: Bienenroboter Bee-Bot von vorn.
Quelle: Eigene Aufnahme

2. Was sind Bee-Bots?


Bee-Bots sind kleine, vierrädrige Roboter im Bienen-Design. Sie besitzen 2 Augen, welche die Blickrichtung bestimmen, sowie ein Set aus 7 Button, die Bewegungsbefehle geben:

Abbildung 2: Bee-Bot von oben mit Fokus auf die Button.
Quelle: Eigene Aufnahme

Dem Bee-Bot kann so bis zu 40 aufeinanderfolgende Befehle gegeben werden, um dessen Bewegungen zu „Programmieren“. Entsprechend lernt man das logische Aneinanderreihen von Befehlen und fördert die Entwicklung von algorithmischem Denken. (vgl. Molnár, Erzsebet 2022) Überdies wird verschiedenes Zubehör angeboten, wie zum Beispiel Stifthalter, damit der Miniroboter zeichnen kann, Hürden, ebenso wie durchsichtige Matten mit einzelnen Feldern, in welche man Zettel einstecken und so das „Spielfeld“ selbst konfigurieren kann. Durch die vielen Anwendungsmöglichkeiten haben Bee-Bots mittlerweile auch den Weg in (vor allem öffentliche) Bibliotheken gefunden.

Falls man sich mal selbst im programmieren der Bee-Bots probieren möchte, ist eine digitale Version auf dieser Webseite verfügbar.

3. Bee-Bots in Konzeptionen moderner Bibliotheken

Makerspace:

Einige Bibliotheken besitzen einen sogenannten „Makerspace“, ein offener Kreativraum zum Ausprobieren neuer Technologien, experimentieren oder arbeiten an handwerklichen DIY-Projekten. (vgl. BZ Niedersachsen). Darin kann sich der Bee-Bot perfekt wiederfinden und dadurch auf niedrigschwellige Weise die grundlegende Arbeitsweise von Computerprogrammen verständlich und anschaulich aufzeigen. Weil die Kooperation mit Kitas, Schulen und anderen Bildungseinrichtungen eine entscheidende Rolle spielt, ist sie ein zentraler Bestandteil moderner Bibliotheken, wodurch diese ihre Bildungs- und Vermittlungsaufgaben noch besser erfüllen können.

Lebenslanges lernen:

Der Begriff „lebenslanges Lernen“ hielt zwar schon Mitte der 90er Jahre Einzug in das Blickfeld von öffentlichen Bibliotheken (vgl. Stang, Puhl 2001), doch durch das Internet wurde die Informationsgewinnung durch Bücher schnell quasi obsolet. Mittlerweile rücken in diesem Kontext eher Dienstleistungen in den Fokus, die mehr als den Medienverleih umfassen (vgl. Hauke 2019).

Abbildung 7: Cluster aus Synonymen und Eigenschaften zum Thema Lernen. In der Mitte steht groß Lifelong Learning.
Quelle: www.flickr.com 
[CC-Lizensiert]
CC-Lizensiert

So können Bee-Bots zwar auch bei Senioren das Interesse am Programmieren wecken, aber diese vor allem beim Erhalt der kognitiven Fähigkeiten unterstützen.
Das Eingeben der Befehle wird so zum spielerischen Gedächtnistraining. Man könnte ebenso die beiden demografischen Gruppen gemeinsam mit den Bee-Bots in Bibliotheken lernen lassen, zum Beispiel im Zuge von Veranstaltungen. So würde man außerdem die seit einigen Jahren in vielen Konzeptionen stehenden „generationsübergreifenden Angebote“ fördern und öffentliche Bibliotheken weiter demokratisieren.

4. Integration von Bee-Bots in Veranstaltungen

Durch die durchsichtige Matte mit den Papiereinschüben ist es möglich, die Nutzungsart der Bee-Bots nach Belieben zu konfigurieren und demzufolge für alle Bibliotheken eine passende Veranstaltung zu entwerfen.
Im folgenden möchte ich ein paar Konzepte vorstellen:

Farben sortieren – ab 5 Jahre
Farben sortieren
Zubehör: Bee-Bot Schiebeaufsatz

Zuerst setzt man die Schiebeaufsätze auf den Bee-Bot und bereitet ein 4 × 6 Kartenraster vor, indem man entweder eine Matte nutzt oder das Raster direkt auf dem Tisch fixiert. Danach legt man Farbkarten in Rot, Blau, Grün, Gelb und Lila in die vier Ecken und ein weiteres beliebiges Feld, während die restlichen Felder weiß bleiben. Gleichzeitig verteilt man fünf Bauklötze in den gleichen Farben auf den weißen Feldern. Wenn der große Farbwürfel geworfen wird, startet der Bee-Bot auf dem Feld der gewürfelten Farbe. Anschließend programmiert man ihn so, dass er den Bauklotz mit der passenden Farbe einsammelt und zur entsprechenden Farbkarte bringt. Alternativ beginnt der Bee-Bot direkt am Bauklotz. Würfelt man jedoch „weiß“ oder eine Farbe, die bereits vorkam, darf man erneut würfeln, weil das Spiel somit spannender bleibt.


Aufräumen in der Kinderbibliothek – ab 5 Jahre
Aufräumen in der Kinderbibliothek
Abbildung 8: Bilder von Piktogrammen der Kinderbibliothek (Stadtbibl. Crimmitschau) zum zuordnen der Bücher in Sachgruppen.
Quelle: Eigene Aufnahme

Zubehör: Bee-Bot Anhänger
Die Bücher der Kinderbibliothek für das Alter bis 7 Jahre sind in vielen öffentlichen Bibliotheken mittels farbigen Themenaufklebern geordnet (Berufe, Film und Fernsehen, Vergangenheit entdecken, Freunde und Familie, Gefühle, … ). Folglich ist es für die kleinsten Kinder einfacher, die Bücher zu finden, die sie interessieren und sie auch wieder an den vorgesehenen Platz zurückzulegen. Darauf beruht das hier vorgestellte Spiel.

Dabei werden mehrere Karten ausgedruckt, die die Regale mit den Themenaufklebern der Kinderbibliothek darstellen. Die Kärtchen werden in den äußeren Randfeldern der durchsichtigen Matte platziert. In der Mitte befinden sich außerdem Kärtchen mit Hindernissen.
Ziel ist es nun, mit dem Anhänger (dieser muss separat dazugekauft werden) Ausdrucke mit den entsprechenden Themenaufklebern mit dem Bee-Bot in das dazu passende Regal zu fahren, während man den Hindernissen dabei ausweicht.
Dieses Spiel eignet sich hervorragend, um Kindern die Ordnung der Bibliothek nahezubringen.

Abbildung 9: Möglicher Spielplan für das Spiel "Aufräumen in der Kinderbibliothek". Piktogramme befinden sich verteilt auf einem 5x6 Raster wieder.
Quelle: Eigene Aufnahme
Möglicher Spielplan für das Spiel „Aufräumen in der Kinderbibliothek“. Die Piktogramme müssen hier mit dem Bee-Bot zum passenden Regal gefahren werden.

Reise in die Vergangenheit – Senioren
Reise in die Vergangenheit


In dieser Veranstaltung wird sowohl das Langzeitgedächtnis als auch die Feinmotorik und das Konzentrationsvermögen gefördert. Die Bee-Bots fahren über die transparente Bodenmatte, welche mit Bildern aus der Vergangenheit der Teilnehmenden gestaltet ist,
z. B. Bilder von Alltagsgegenständen, bekannten Liedern oder Ereignissen aus früheren Jahrzehnten (z. B. Telefon mit Wählscheibe, Schallplatte, Bild des Mauerfalls). Die Teilnehmenden wählen ein Bild aus, zu dem der Bee-Bot fahren soll und Programmieren ihn dann dahin. Hierbei sollte man eher auf Hindernisse verzichten. Am Ziel können sie mit der Gruppe über ihre Erinnerungen sprechen, das entsprechende Lied anstimmen oder über die Geschichte hinter dem Bild sprechen.

Abbildung 10: Möglicher Spielplan für das Spiel "Reise in die Vergangenheit". Markante Bilder aus der Vergangenheit befinden sich verteilt auf einem 4x6 Raster.
Quelle: Eigene Aufnahme
Mögliches Layout der Bilder – hier speziell abgestimmt auf die Kindheit in der DDR.

Bee-Bot Kunstfabrik – ab 8 Jahre
Bee-Bot Kunstfabrik


Zubehör: Bee-Bot Stiftadapter
Mithilfe der Bee-Bots und einem speziellen Stiftadapter gestalten die Kinder auf großen Papierbögen einzigartige Muster und Bilder. Nach einer kurzen Einführung in die Funktionen des Bee-Bots und einer Demonstration dürfen die Kinder selbst aktiv werden. In einer Übungsphase lernen sie, einfache Formen wie Kreise, Blumen oder Schneemänner zu zeichnen, indem sie den Bee-Bot mit den richtigen Befehlen programmieren. Dabei erfahren sie spielerisch, wie wichtig Planung und räumliches Denken sind. Anschließend beginnt die Kreativphase, in der die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen können. Sie gestalten individuelle Kunstwerke oder arbeiten gemeinsam an größeren Projekten, wie einem abstrakten Gemeinschaftsbild.


Kräuter-Memory – ab 8 Jahre
Kräuter-Memory


Zentraler Bestandteil ist eine durchsichtige Bodenmatte, auf der sich der Bee-Bot bewegen kann. Es werden undurchsichtige Dosen, z.B. Filmdosen, bereitgestellt, in denen sich verschiedene, den Kindern bekannte Kräuter als Riechprobe befinden.
Diese sind im Deckel mit Löchern (zum Riechen) versehen und haben auf dem Boden, nicht sichtbar für die Kinder, eine Zahl zur Zuordnung der Kräuter.
In der Matte sind außerdem einzelne Felder mit Namen, Bild der Kräuter und der Zahl, die sich auch auf dem Boden der dazugehörigen Filmdose befindet, abgebildet.

Die Aufgabe der Kinder ist es dann, durch Riechen an den Filmdosen diese den Feldern mit Bild und Name der Kräuter zuzuordnen. Wenn ein Kind an einer Riechprobe gerochen hat, versucht es den Bee-Bot zum passenden Kräuter-Feld zu steuern. Wenn dies gelingt, ist das Feld + Riechprobe aus dem Spiel und das Kind erhält einen QR-Code, der zu einem einfachen Rezept mit diesem Kraut/Gewürz führt.
Für größere Kinder können noch zusätzliche Quizfelder mit Fragen, die beantwortet werden müssen, hinzugefügt werden. Inspiriert vom Konferenzpapier der Arbeitsgruppe didaktik-aktuell aus Heidelberg (vgl. Marmé, Knemeyer 2019).

Abbildung 13: Möglicher Spielplan für das Spiel "Kräuter Memory". Bilder von Kräutern, Hürden die den Weg versperren und Quizfelder befinden sich verteilt auf einem 5x7 Raster wieder.
Quelle: https://www.researchgate.net/publication/337389459_Bee-Bots_-Programmieren_im_Sachunterricht
Möglicher Spielplan für das Kräuter-Memory inklusive Quizfeldern

5. Quellenangaben

B-Bot.de (2025): Roboter & Programmieren. Online unter https://b-bot.de/roboter-programmieren. [Abruf am 10.01.2025]

BZ Niedersachsen (o.J.): Makerspace – Eine Idee auch für meine Bibliothek? (Demokurs). Online unter https://lernen.bz-niedersachsen.de/course/view.php?id=15
[Abruf am 11.01.2025]

Ehbrecht, Janne Marit (2025): Informationskompetenz: Voraussetzung für erfolgreiches Lernen, Studieren und Forschen? Online unter https://testweblab.wp.hs-hannover.de/wp-admin/post.php?post=27309&action=edit [Abruf am 23.01.2025]

Hauke, Petra (2019): Öffentliche Bibliothek 2030. Herausforderungen – Konzepte – Visionen. S. 231-232. Bad Honnef: Bock + Herrchen Verlag.
Online unter https://doi.org/10.18452/19927

Hoffmann, Alex (2017): Warum Coding für alle so wichtig ist. Ein Gastbeitrag von Alex Hoffmann. Zuletzt aktualisiert am 01.02.2017. Online unter https://www.munich-startup.de/18945/warum-coding-fuer-alle-so-wichtig-ist-ein-gastbeitrag-von-alex-hoffmann/ [Abruf am 07.01.2025]

Kellermann, Franz (2025): Digitale Vielfalt in Bibliotheken – Von physischen Regalen zur digitalen Transformation. Online unter https://testweblab.wp.hs-hannover.de/wp-admin/post.php?post=27309&action=edit [Abruf am 22.01.2025]

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