Achtsamkeit im Unternehmen – Stress bei Beschäftigten reduzieren

Meditation für mehr Ruhe und Achtsamkeit zur Stressreduzierung
Bildquelle: Pixabay (lizenzfrei)

Einführung

Achtsamkeit im Unternehmen gewinnt zunehmend an Bedeutung. In einer Welt, die geprägt ist von globalen Konflikten, Klimawandel und steigenden Lebenshaltungskosten, ist der Faktor Stress in der Bevölkerung allgegenwärtig.

Wirtschaftliche Erschütterungen sowie innenpolitische und globale Konflikte sorgen für wachsende Unsicherheiten, sowohl im privaten als auch im wirtschaftlichen Bereich. So wurden laut dpa alleine in Deutschland im Jahr 2025 ca. 124.000 Stellen in der Industrie gestrichen¹. 

Die Inflation und Lebenshaltungskosten steigen²  und belasten die Bürgerinnen und Bürger zunehmend. Zudem hat auch die ständige Erreichbarkeit durch digitale Werkzeuge sowie ein wachsender Leistungsdruck einen erheblichen Einfluss auf das Stresslevel³.

Auswirkungen durch Stress

Laut dem Stressreport der TK-Krankenkasse  fühlen sich alleine in Deutschland nach eigener Aussage 66 % der Menschen “häufig oder manchmal gestresst”. 62 % hiervon leiden an psychosomatischen Symptomen wie Rückenverspannungen oder Muskelschmerzen sowie Schlafstörungen und Erschöpfungssymptomen⁴.

Auch intrinsische Faktoren haben einen hohen Einfluss auf das Stresslevel. Laut dem TK Stressreport⁴ sind Ansprüche an die eigene Person der größte Auslöser für Stress. Viele Menschen legen extrem hohe Standards an sich an, können eigene Fehler kaum akzeptieren und setzen unrealistische Ziele. Dies kann schnell Stress auslösen und zudem zu depressiven Verstimmungen führen⁵. Durch die wachsende Möglichkeit der Arbeit im Homeoffice sind Beschäftigte zudem selbst angehalten, “Arbeitszeiten und Pausen sowie Arbeitsgestaltung und Selbstorganisation neu zu denken”³ (S. 5).

Viele dieser Stressfaktoren werden durch die Erwerbstätigkeit ausgelöst, so dass Unternehmen zum Handeln gefordert sind. Für Arbeitgeber gibt es jedoch Möglichkeiten, ein aktives Gesundheitsmanagement für die Beschäftigten zu betreiben. Neben Angeboten wie Betriebssport deuten Studien⁶,⁷ darauf hin, dass sich Resilienztraining in einer Welt zunehmenden Stresses bewährt. Achtsamkeit ist hier das Stichwort für Sie.

Definition & Geschichte von Achtsamkeit

Das Konzept Achtsamkeit findet seinen Ursprung in der buddhistischen Lehre und meint heute “das absichtsvolle Gegenwärtigsein unseres Geistes bei allem, was gerade im Moment geschieht, bei Empfindungen des Körpers, Bewegungen des Geistes, Wahrnehmungen und Gefühlen, ohne dass diese beurteilt werden”⁸ .

Dadurch sollen physische und psychische Impulse, die sonst unbewusst auftreten, wahrgenommen werden, um die daraus resultierende Handlung bewusster steuern zu können. Menschen sind häufig mit den Gedanken nicht im Hier und Jetzt, sondern in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Dadurch “bemerken [Menschen] weder die Signale unseres Körpers noch unsere Bedürfnisse oder Belastungsgrenzen”³ (S. 9)

Als Vorreiter des Konzepts Achtsamkeit der Moderne und der Stressbewältigung gilt der Molekularbiologe John Kabatt-Zinn. Er entwickelte 1979 das 8-wöchige Mindfulness Based Stress Reduction-Programm (kurz: MBSR-Programm, übersetzt: Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion) das sich in den folgenden Jahren weit verbreitet hat und heutzutage “weltweit im Gesundheitsbereich[…] sowie in Unternehmen erfolgreich angewendet [wird]”⁹. Das Programm verbindet Meditationen mit Ansätzen aus der Psychologie und Stressbewältigungsstrategien⁹ und soll es den Anwendenden kurz gesagt ermöglichen, körperliche Warnsignale wahrzunehmen und alternative Handlungsoptionen zu entwickeln, um einen fürsorglicheren Umgang mit der eigenen Person zu finden³ (S. 10). 

Vorteile von Achtsamkeit im Unternehmen

Durch diese Fähigkeiten kann eine sogenannte “Verringerung von affektiver Reaktivität”¹⁰ (S. 7) bewirkt werden. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, dass trainiert wird, zu verhindern, auf negative Impulse mit negativen Emotionen zu reagieren. Die ausübende Person nimmt belastende Gefühlszustände wie Stress bewusster wahr und kann früher intervenieren, ohne dass Handlungen im “Autopiloten”³ (S. 8) ausgeführt werden. Darüber hinaus trainiert Achtsamkeit Fähigkeiten wie Akzeptanz, (Selbst-)Vertrauen und das Loslassen von Belastungen¹⁰ (S. 13). Zudem konnten Studien die positive Wirkung von Achtsamkeit auf die Aufmerksamkeitsspanne der Probanden nachweisen, was im Arbeitskontext zu einer fokussierteren Arbeitsweise Ihrer Mitarbeitenden führen kann¹⁰.

Die (positive) Wirkung von Achtsamkeit kann sowohl physiologisch⁶ (S. 23 ff., S. 25 ff.) als auch neuronal⁷ (S. 35 ff.) gemessen werden. Das Konzept wird allerdings vermutlich nicht für jeden Ihrer Mitarbeitenden geeignet sein. Manche Personen benötigen andere Lösungsansätze zum Umgang mit Stress.

Achtsamkeit im Unternehmen implementieren

Um ein Achtsamkeitskonzept im Rahmen einer betrieblichen Gesundheitsförderung erfolgreich in Ihr Unternehmen zu implementieren, wurden 5 Bedingungen ausgemacht, die dafür erfüllt sein sollten¹¹:

1. Allgemeine Rahmenbedingungen¹¹ (S. 202)

Sie als Arbeitgeber müssen Rahmenbedingungen schaffen, die den Beschäftigten die Teilnahme an einem Achtsamkeitstraining ermöglichen. Dazu gehört bspw. die Möglichkeit der Teilnahme während der Arbeitszeit sowie geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

2. Trainingssetting¹¹ (S. 202)

Meint einen konkreten, zeitlichen Ablauf des Übungsprogramms. Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass bspw. ein Rahmen mit wöchentlich acht Terminen á zwei bis zweieinhalb Stunden zu Erfolgen führt.

3. Achtsamkeitstrainer¹¹ (S. 202 ff.)

Einen guten Trainer zeichnen besonders drei Eigenschaften aus: eine persönliche Überzeugung, die Fähigkeit, Inhalte verständlich transportieren zu können und durch Vorleben der Achtsamkeitspraxis in den Teilnehmenden eine intrinsische Motivation zu wecken.

4. Unternehmen/Organisation¹¹, 2019, (S. 203)

Damit die Implementierung gelingt, muss das Thema Gesundheit in Ihrem Unternehmen in der Unternehmenskultur auf allen Hierarchieebenen Einzug und Akzeptanz finden. Führungskräfte müssen “ganzheitlich führen”, also neben der Autoritätsfunktion auch soziale Aspekte berücksichtigen, authentisch auftreten und eine gesunde Fehlerkultur in ihren Teams etablieren.

5. Teilnehmende¹¹ (S. 203)

Sind alle Rahmenbedingungen geschaffen, kann Achtsamkeitstraining nur funktionieren, wenn die Teilnehmenden dem Thema mit Interesse und Offenheit gegenübertreten – hier ist jeder selbst dazu angehalten, das Engagement aufzubringen, um entsprechende, persönliche Resultate zu erzielen.

Kosten für Achtsamkeit im Unternehmen


Im Jahr 2023 lag der Durchschnitt von Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tagen) pro Beschäftigte bei 21,0 Tagen. 16 % der AU-Tage wurden durch psychische Erkrankungen verursacht, die durchschnittliche Dauer der durch psychische Erkrankungen verursachten AU-Tage lag bei 48 Tagen. Die Kosten durch Produktionsausfälle beliefen sich dadurch im Jahr 2023 auf ca. 35,4 Milliarden Euro, was einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 0,8 % entsprach¹². Die direkten Kosten für das Gesundheitssystem beliefen sich 2023 auf insgesamt etwa 63,3 Milliarden Euro oder 780 € pro Kopf¹³.

Diesen Kosten gegenübergestellt variieren die Preise für ein Achtsamkeitstraining wie dem bereits erwähnten MBSR-Programm durch ausgebildete MBSR-Trainer, je nach Angebot, Umfang, Dauer etc. Für diesen Blogbeitrag wurden daher ausgewählte Angebote verglichen und variierten zwischen 180 €¹⁴ – 398 €¹⁵ pro Person. Zwar können die Kosten dieser Maßnahmen nicht direkt den potenziellen Kosten für das Gesundheitssystem gegenübergestellt werden. Die Zahlen verdeutlichen allerdings, dass Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in Relation gesehen verhältnismäßig günstig sind und einen Beitrag zur Verringerung von Ausfallkosten leisten können.

Das Einkommensteuergesetz (EStG), § 3 Nr. 34 erlaubt es Arbeitgebern zudem, Leistungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung bis zu 600 € pro Jahr steuerfrei zu übernehmen¹⁶. Auch unter diesem Aspekt kann sich die Investition in die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden somit lohnen.

Fazit

Bei den genannten Zahlen handelt es sich lediglich um Durchschnittswerte. Es gibt viele Arbeitsausfälle, denen keine psychische Ursache zugrunde liegt. Daher sollte das Portfolio Ihrer betrieblichen Gesundheitsförderung breiter gestreut sein, bspw. mit Rückenschulen oder Sehtests. Die Zahlen können jedoch ein Indikator dafür sein, dass Prävention vergleichsweise günstig ist, im Gegensatz zu den potenziellen Kosten durch Arbeitsausfälle und damit verbundenen Produktionsausfällen und Kosten für das Gesundheitssystem. 

Achtsamkeit und sonstige Stressbewältigungsstrategien können zudem die Lebensqualität der Teilnehmenden erheblich verbessern. Im Idealfall hat dies einen positiven Einfluss auf das private Umfeld der jeweiligen Person und führt dadurch zu einem gesellschaftlichen Mehrwert. Hinzu kommt, dass ein aktives Gesundheitsmanagement nicht nur die Gesundheit Ihrer Mitarbeitenden fördern, sondern im Idealfall auch Produktionsausfälle reduzieren, Wertschätzung gegenüber Ihren Mitarbeitenden zum Ausdruck bringen und durch eine höhere Zufriedenheit die Bindung an Ihr Unternehmen erhöhen kann.

Weitere Beiträge von Studierenden der Hochschule Hannover, unter anderem zum Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement, finden Sie hier.

Quellenverzeichnis

¹ dpa. (2026). Standort Deutschland: Mühsam aus der Krise – Industrie streicht über 120.000 Jobs. Online unter https://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/konjunktur-industrie-baut-2025-mehr-als-120000-jobs-in-deutschland-ab/100200930.html [Abruf am 28.04.2026]

²  Statistisches Bundesamt (o. J.): Inflationsrate im März 2026 bei +2,7 %. Online unter https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_127_611.html [Abruf am 28.04.2026]

³ Eßwein, Jan (2023): Achtsamkeit am Arbeitsplatz. Wie Organisationen eine Zukunftskompetenz in Prävention und Gesundheitsförderung einsetzen. Online unter https://www.iga-info.de/fileadmin/redakteur/Veroeffentlichungen/iga_Wegweiser/Dokumente/iga.Wegweiser_Achtsamkeit_am_Arbeitsplatz.pdf 

⁴  TK – Die Techniker (2025): Stressreport 2025. Online unter https://www.tk.de/resource/blob/2207446/19c9824592652569ea05973fbdc1b6c9/tk-stressreport-2025-data.pdf 

⁵ Koutra, Katerina, Mouatsou, Chrysi., & Psoma, Sofia (2023): The Influence of Positive and Negative Aspects of Perfectionism on Psychological Distress in Emerging Adulthood: Exploring the Mediating Role of Self-Compassion. In: Behavioral Sciences, Jg. 13, H. 11, S.  1-15. Online unter https://doi.org/10.3390/bs13110932

⁶ Schmid, Regina F.; Thomas, Joachim (2019): Physiologische Aspekte der Achtsamkeit. In: Chang-Gusko, Yong-Seun; Heße-Husain, Judith; Cassens, Manfred & Meßtorff, Claudia (Hrsg.). Achtsamkeit in Arbeitswelten: Für eine Kultur des Bewusstseins in Unternehmen und Organisationen. Springer Fachmedien Wiesbaden. Online unter https://doi.org/10.1007/978-3-658-25673-9

⁷ Heße-Husain, Judith; Meßtorff, Claudia (2019): Neuroimmunologie der Achtsamkeit. In: Chang-Gusko, Yong-Seun; Heße-Husain, Judith; Cassens, Manfred & Meßtorff, Claudia (Hrsg.). Achtsamkeit in Arbeitswelten: Für eine Kultur des Bewusstseins in Unternehmen und Organisationen. Springer Fachmedien Wiesbaden. Online unter https://doi.org/10.1007/978-3-658-25673-9

⁸ Wallach, Harald (2022).  Stichwort: Achtsamkeit. In: Dorsch Lexikon der Psychologie. Online unter https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/achtsamkeit  [Abruf am 28.04.2026]

⁹ MBSR-Verband (o. J.): Achtsamkeit mit MBSR. . Online unterhttps://www.mbsr-verband.de/achtsamkeit/mbsr [Abruf am 28.04.2026]

¹⁰Chang-Gusko, Yong-Seun (2019): Geschichte und Definitionen von Achtsamkeit. In: Chang-Gusko, Yong-Seun; Heße-Husain, Judith; Cassens, Manfred & Meßtorff, Claudia (Hrsg.). Achtsamkeit in Arbeitswelten: Für eine Kultur des Bewusstseins in Unternehmen und Organisationen. Springer Fachmedien Wiesbaden. Online unter https://doi.org/10.1007/978-3-658-25673-9

¹¹Hiendl, Christoph O. (2019): Achtsamkeit in Arbeitswelten – Mögliche Umsetzungsszenarien in Großunternehmen. In: Chang-Gusko, Yong-Seun; Heße-Husain, Judith; Cassens, Manfred & Meßtorff, Claudia (Hrsg.). Achtsamkeit in Arbeitswelten: Für eine Kultur des Bewusstseins in Unternehmen und Organisationen. Springer Fachmedien Wiesbaden. Online unter https://doi.org/10.1007/978-3-658-25673-9

¹² dgppn (2025): Basisdaten Psychische Erkrankungen, Stand: Februar 2025. Online unter https://www.dgppn.de/_Resources/Persistent/a71c6af0841eb0236690e3d360630418d5f56c24/2025_DGPPN_Basisdaten%20Psychische%20Erkrankungen.pdf 

¹³Janson, Matthias. Infografik: Welche Krankheiten sind am kostenintensivsten? Statista Daily Data. Online unter https://de.statista.com/infografik/34983/kosten-durch-krankheiten-und-koerperliche-schaeden-in-deutschland [Abruf am 28.04.2026]

¹⁴Wolf, Suzan (o. J.): Achtsamkeitstraining für Unternehmen. Online unter https://www.suzan-wolf.de/unternehmen [Abruf am 28.04.2026]

¹⁵wegezumsein (o. J.) MBSR – Stressbewältigung durch Achtsamkeit. Online unter https://www.wegezumsein.com/seminar-event-fuer-unternehmen/mbsr-stressbewaltigung-durch-achtsamkeit-8-wochen-kurs-fur-den-beruf/ [Abruf am 28.04.2026]

¹⁶Bundesministerium der Finanzen(2023): Umsetzungshilfe zur steuerlichen Anerkennung. In: Amtliches Lohnsteuer-Handbuch—LStH 2023 BMF. Online unter https://esth.bundesfinanzministerium.de/lsth/2023/B-Anhaenge/Anhang-18c/anhang-18c.html [Abruf am 28.04.2026]