Bibliotheken sind längst nicht mehr nur Orte zum Ausleihen von Büchern. Sie entwickeln sich zunehmend zu offenen Lern- und Begegnungsräumen, in denen Menschen gemeinsam experimentieren, gestalten und neue Technologien kennenlernen können. Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist der Makerspace der Stadtbibliothek Köln. Hier treffen moderne Fertigungstechnologien auf kreatives Handwerk, digitale Bildung auf gemeinschaftliches Lernen und Innovation auf niedrigschwellige Zugänglichkeit. Besucherinnen und Besucher können hier nicht nur Bücher ausleihen, sondern auch mit 3D-Druckern, Lasercuttern, Schneideplottern, Robotern, Virtual Reality und vielen weiteren Technologien arbeiten.
Der Makerspace richtet sich an Menschen jeden Alters – von Kindern über Studierende bis hin zu Berufstätigen oder Seniorinnen und Senioren. Ob Sie erste Erfahrungen mit digitalen Technologien sammeln oder bereits eigene Projekte umsetzen möchten: Der Makerspace bietet die passende Ausstattung und ein umfangreiches Workshopprogramm.
Die Anfänge des Makerspace der Stadtbibliothek Köln
Die Idee eines Makerspaces stammt aus der internationalen Maker-Bewegung, die Anfang der 2000er-Jahre in den USA entstand. Ziel dieser Bewegung ist es, Menschen zu befähigen, selbst kreativ zu werden, Neues auszuprobieren und technisches Wissen praktisch anzuwenden.
Die Stadtbibliothek Köln gehörte zu den ersten öffentlichen Bibliotheken Deutschlands, die dieses Konzept aufgriffen. Bereits Mitte der 2010er-Jahre entstand in der Zentralbibliothek ein offener Kreativ- und Lernraum, der moderne Fertigungstechnologien mit digitaler Bildung kombinierte.
Von Beginn an setzte die Bibliothek auf einen niedrigschwelligen Zugang. Statt teure Geräte selbst anschaffen zu müssen, konnten Interessierte diese kostenlos oder kostengünstig ausprobieren. Schnell entwickelte sich der Makerspace zu einem festen Bestandteil des Bildungsangebots der Stadtbibliothek und wurde überregional bekannt.
Heute gilt die Stadtbibliothek Köln als Vorbild für viele andere Bibliotheken, die ebenfalls Makerspaces eingerichtet haben.
Der Makerspace heute
Während die Zentralbibliothek am Josef-Haubrich-Hof umfassend saniert wird, befindet sich der Makerspace derzeit im Interimsquartier der Stadtbibliothek auf der Hohe Straße. Trotz des Umzugs wurde das Angebot nahezu vollständig übernommen und kontinuierlich weiterentwickelt. Besucherinnen und Besucher finden dort einen offenen Kreativbereich mit moderner technischer Ausstattung und zahlreichen Workshops.
Das Konzept folgt dabei einem einfachen Grundsatz: Jeder soll die Möglichkeit erhalten, neue Technologien kennenzulernen, eigene Projekte umzusetzen und digitale Kompetenzen aufzubauen. Viele Angebote sind kostenlos oder im Rahmen der Bibliotheksmitgliedschaft nutzbar.
Welche Angebote gibt es?
Das Angebot ist breit gefächert und richtet sich sowohl an Einsteiger*innen, als auch an erfahrene Maker. Wo welches Angebot zu finden ist, erfährst du unter Standorte.
3D-Drucker
Der 3D-Drucker gehört zu den beliebtesten Angeboten im Makerspace. Seit 2013 können Besuchende ab 16 Jahren nach Besuch eines Lizenzworkshops eigene Modelle herstellen oder Vorlagen aus Online-Datenbanken drucken. Genutzt wird dabei das Modell Modell Replicator+

Mögliche Anwendungen sind:
- Ersatzteile
- Architekturmodelle
- Spielfiguren
- Prototypen
- Geschenkideen
- Kunstobjekte
Lasercutter
Der CO2-Laser „Beambox“ der Firma Flux ist der neueste Zuwachs im Makerspace Fuhrpark. Per Laserstrahl lassen sich Materialien wie Pappe, Holz, Filz und Kraftplex schneiden oder gravieren. Voraussetzung für die Nutzung ist wie beim 3D-Drucker der vorherige Besuch des kostenlosen Lizenz-Workshops. Das Mindestalter ist 18 Jahre.

Schneideplotter

Mit dem Schneideplotter Silhouette Cameo 4 lassen sich Folien, Papier oder Textilien sehr präzise ausschneiden. Dadurch entstehen bespielsweise:
- individuelle T-Shirts
- Aufkleber
- Grußkarten
- Wandtattoos
- Beschriftungen
- Dekorationen
Elektronik und Programmierung
Im Makerspace können Interessierte erste Erfahrungen mit Mikrocontrollern und Robotik sammeln. Dazu gehören unter anderem:
- Arduino
- Raspberry Pi
- programmierbare Roboter
- Sensorik
- einfache Elektronikprojekte
Hier lernen Teilnehmende spielerisch Grundlagen des Programmierens und der digitalen Technik.
Social Media Studio
Ein besonderes Angebot ist das Social-Media-Studio. Hier können Videos, Podcasts oder andere digitale Inhalte produziert werden. Die Bibliothek stellt dafür geeignete Technik sowie entsprechende Workshops bereit. Das Angebot richtet sich sowohl an Privatpersonen als auch an Vereine, Schulen oder kleine Unternehmen. Ideal zum erstellen von:
- Podcasts
- YouTube-Videos
- Social-Media-Clips
- Interviews
- Erklärvideos

Virtual Reality und Gaming
Digitale Spiele sind inzwischen ein wichtiger Bestandteil moderner Bibliotheken. Im Makerspace können Besuchende aktuelle Virtual-Reality-Anwendungen ausprobieren und sich mit neuen Formen digitaler Medien beschäftigen.
Textil- und Kreativwerkstatt
Neben digitaler Technik spielen klassische Handwerkstechniken weiterhin eine wichtige Rolle. Im Makerspace finden die Nutzenden verschiedene Nähmaschinen und Overlock-Nähmaschinen und eine kleine Ausstattung an Werkzeug für die Erstellung eigener Textil-Projekte. Neulinge können in dem Workshop „Nähmaschine für Ahnungslose“ erste Erfahrungen sammeln.

Standorte
Die Angebote unseres Makerspaces sind so vielfältig wie unsere Kölner Veedel. Und man kann viele unserer Angebote auch in den Veedeln, in unseren Stadtteilbibliotheken finden und nutzen.
Interim der Zentralbibliothek Hohe Straße

Mitten in der Innenstadt befindet sich auf der 3. Etage der größte Makerspace der Stadtbibliothek. Hier findet man
- 3D-Drucker
- 3D-Scanner
- Schneideplotter
- Social-Media-Studio
- Nähmaschine
- Overlock-Nähmaschine
- Robotik
- Coding-Angebote
- Workshops
- Digitale Werkstatt
- VR- und Gaming-Angebote
- Bibliothek der Dinge
Außerdem findet man hier noch in der Musikbibliothek verschiedene Instrumente zum Spielen wie e-Drums, e-Piano oder auch unser Klavierzimmer mit Flügel. In der Digibar kann man verschiedene Medien digitalisieren, so können Kassetten, Schallplatten, Dias, Fotostreifen, VHS-Filme oder Super8-Filme wieder zugänglich gemacht werden.
Stadtteilbibliothek Kalk
Die Stadtteilbibliothek Kalk gilt als eine der modernsten Bibliotheken Deutschlands. Bereits bei ihrer Eröffnung im Jahr 2018 wurde großer Wert auf Mitmachangebote gelegt. Hier findet man im Makerspace:
- 3D-Drucker
- Schneideplotter
- Virtual Reality
- Gaming
- interaktive Medieninstallationen
- Bibliothek der Dinge
Die Bibliothek versteht sich ausdrücklich als Ort zum Experimentieren, Lernen und Ausprobieren.
Stadtteilbibliothek Porz
Die Stadtteilbibliothek Porz ist ein weiterer Makerspace im Rechtsrheinischen. In dem Gebäude im Berzirksrathaus befinden sich:
- 3D-Drucker
- Lasercutter
- Gaming
- Virtual Reality Station
- Bibliothek der Dinge
Dazu gehören die Lizenzworkshop, die für die Nutzung des 3D-Druckers und des Lasercutters erforderlich sind. Die Nutzung des Lasercutters ist ab 18 Jahren möglich.
Stadtteilbibliothek Rodenkirchen
Die Stadtteilbibliothek Rodenkirchen ist der Makerspace der Kölner Südens. Hier finden die Nutzenden vor allem Angebote für den Kreativbereich:
- 3D-Drucker
- Schneideplotter
- Nähmaschine
- Overlock-Nähmaschine
Begleitet wird das Angebot auch hier von regelmäßig stattfindenden Einführungsworkshops. Der Schneideplotter und die Nähmaschinen können vor Ort aber auch ohne vorherigen Besuch des Workshops genutzt werden. Die Buchung der Geräte ist über die Webseite möglich.
Für wen eignet sich der Makerspace?
Das Besondere am Makerspace ist seine Offenheit. Er richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen:
- Kinder entdecken spielerisch Technik und Robotik.
- Jugendliche lernen Programmieren oder 3D-Modellierung.
- Studierende nutzen moderne Fertigungstechnologien für Projekte.
- Erwachsene entwickeln kreative Hobbys weiter.
- Seniorinnen und Senioren erhalten einen niedrigschwelligen Zugang zu digitalen Technologien.
Auch Schulen, Bildungseinrichtungen und Vereine nutzen regelmäßig die Angebote der Bibliothek.
Beispiele aus dem aktuellen Veranstaltungsprogramm
Das Veranstaltungsprogramm zeigt, wie vielfältig die Angebote inzwischen geworden sind. Regelmäßig finden Workshops statt, die praktische Anwendungen mit kreativem Lernen verbinden.
Beispiele sind:
- Lizenz für den 3D-Druck – Ein Einsteigerkurs, der den sicheren Umgang mit den 3D-Druckern vermittelt und Voraussetzung für die eigenständige Nutzung an unseren Standorten ist.
- Taschen professionell gestalten mit Flockfolie – Ein Kreativworkshop aus der Reihe „Maker Kids“, bei dem Stofftaschen mit dem Schneideplotter individuell gestaltet werden.
- Mobile Filming – Ein Workshop, der zeigt, wie professionelle Videos mit dem Smartphone aufgenommen und bearbeitet werden können.
- Workshop Digitales Zeichnen – Einführung in digitale Zeichenprogramme und kreative Projektionen.
- Robotics & Coding – Veranstaltungen rund um Programmierung und Robotik für unterschiedliche Altersgruppen.
- Games & VR – Angebote zum Kennenlernen von Virtual-Reality-Technologien und digitalen Spielen.
Die Veranstaltungen wechseln regelmäßig und richten sich sowohl an Anfänger als auch an Fortgeschrittene. Die Angebote sind kostenfrei, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. In seltenen Fällen fällt eine Materialgebühr an.
Warum Makerspaces in Bibliotheken wichtig sind
Der Makerspace zeigt eindrucksvoll, wie sich Bibliotheken verändern. Während früher hauptsächlich Bücher ausgeliehen wurden, stehen heute Kompetenzen des 21. Jahrhunderts im Mittelpunkt:
- kreatives Problemlösen
- Teamarbeit
- digitales Arbeiten
- Medienkompetenz
- lebenslanges Lernen
Bibliotheken übernehmen damit eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Sie schaffen einen Ort, an dem moderne Technologien unabhängig vom Einkommen genutzt werden können. Nicht jede Person besitzt einen 3D-Drucker, einen Schneideplotter oder professionelles Videoequipment. Im Makerspace werden diese Werkzeuge allen zugänglich gemacht.
Gleichzeitig entstehen neue Begegnungsräume. Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Erfahrungsständen arbeiten gemeinsam an Projekten, tauschen Wissen aus und lernen voneinander. Dieses Prinzip des gemeinsamen Lernens gehört zu den zentralen Ideen der Maker-Bewegung.
Fazit
Der Makerspace der Stadtbibliothek Köln gehört zu den innovativsten Angeboten öffentlicher Bibliotheken in Deutschland. Seit seinen Anfängen hat er sich von einer experimentellen Werkstatt zu einem festen Bestandteil des Bildungsangebots entwickelt. Ob 3D-Druck, Robotik, Social-Media-Produktion, Virtual Reality oder kreative DIY-Projekte – das Angebot ist vielfältig und spricht Menschen aller Altersgruppen an.
Mit dem Makerspace beweist die Stadtbibliothek Köln, dass Bibliotheken weit mehr sein können als Orte für Bücher. Sie sind Lernorte, Werkstätten, Begegnungsräume und Innovationszentren zugleich. Wer eigene Ideen verwirklichen, neue Technologien ausprobieren oder einfach kreativ werden möchte, findet hier optimale Voraussetzungen. Durch die Kombination aus moderner Technik, kompetenter Betreuung und einem abwechslungsreichen Workshopprogramm leistet der Makerspace einen wichtigen Beitrag zur digitalen Bildung und macht Zukunftstechnologien für alle Bürgerinnen und Bürger erlebbar.
Quellen:
https://www.stadt-koeln.de/artikel/60565/index.html
https://de.wikipedia.org/wiki/FabLab
https://www.stadt-koeln.de/artikel/72830/index.html
https://stbib-koeln.easy2book.de
Bildquellen:
Stadtbibliothek Köln
Jacob Zerdzicki über Pexels

